Bodenschutz

Ein Bagger und ein Mischfahrzeug auf einer Baustraße neben einem Erdkabelgraben. Ein Teil des Grabens mit Erde bedeckt.

Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein und setzt dafür auf erneuerbare Energien. Amprion gestaltet diese Transformation mit, indem wir den Netzausbau vorantreiben und das klimaneutrale Energiesystem ermöglichen. Diesen Netzausbau gehen wir ökologisch und ökonomisch nachhaltig an. Dazu gehört auch ein vorsorgender Bodenschutz: Die wertvollen Funktionen eines intakten Bodens sollen beim Bau wie beim Betrieb von Leitungen erhalten bleiben. Das gilt insbesondere für unsere Erdkabelvorhaben, damit landwirtschaftlich genutzte Flächen nach dem Bau der Kabeltrasse wieder zur Verfügung stehen.

Bodenschutz für die Forst- und Landwirtschaft

Beim Bau von Kabeltrassen auf forst- und landwirtschaftlichen Flächen achten wir darauf, die Bodenfunktionen zu schützen. Die Nutzung der Wald-, Acker- und Grünlandflächen ist daher nach Abschluss unserer Baumaßnahme in der Regel wieder uneingeschränkt möglich.

Bodenschutzkonzept und Bodenkundliche Baubegleitung

Für jedes Erdkabelprojekt erarbeiten wir ein Bodenschutzkonzept nach DIN 19639. Das Bodenschutzkonzept beschreibt unter anderem Ausmaß und Dauer der Eingriffe sowie die bodenschutzrelevanten Arbeiten. Die wichtigsten Bestandteile sind der Bodenschutzplan sowie Vermeidungs- und Minderungsmaßnahmen.

Um unsere Erdkabeltrassen so bodenschonend wie möglich umzusetzen, begleiten Fachleute die Projekte. Diese Bodenkundliche Baubegleitung stellt in der Planungs- und Genehmigungsphase sicher, dass wir alle gesetzlichen Vorgaben einhalten. Während der Bauphase werden die Vorgaben des Bodenschutzkonzepts geprüft sowie Schutzmaßnahmen empfohlen. Nach der Bauphase begleiten die Fachleute die Rekultivierung.

1. Bodenschutz in der Planungs- und Genehmigungsphase

Wir berücksichtigen den Bodenschutz bereits in der Planungs- und Genehmigungsphase. Im Zuge der Planfeststellung erstellen wir ein Bodenschutzkonzept. Dafür sichten bodenkundliche Expert*innen Boden-, Verdichtungs-, Erosions- und Altlastenkarten. Auch die Ergebnisse der Baugrunduntersuchungen fließen in das Bodenschutzkonzept ein. Vor Baubeginn dokumentieren die Expert*innen erneut den Zustand des Bodens, zum Beispiel mittels Drohnenbefliegungen oder Begehung.

Das Konzept stimmen wir mit Behörden und Bodenkundlicher Baubegleitung ab. Weil sich viele standortspezifische Besonderheiten der Baufläche erst im Rahmen der Bauausführung zeigen, wird es im weiteren Projektverlauf fortlaufend ergänzt.

2. Bodenschutz in der Bauphase

Standard bei unseren Erdkabelprojekten ist die offene Grabenbauweise: Bagger heben den Boden schichtweise aus und lagern ihn in sogenannten Bodenmieten. Um Erosion und das Wachsen von Unkraut zu verhindern, bedecken oder begrünen wir diese temporären Lagerstellen je nach Dauer der Lagerung.

Bei der offenen Grabenbauweise können wir während der Bauarbeiten flexibel auf die örtlichen Gegebenheiten reagieren. Verschiedene geschlossene Bauweisen können mit höheren Kosten, längeren Bauzeiten und begrenzten Reichweiten einhergehen. Sie werden in Abhängigkeit besonderer räumlicher Gegebenheiten genutzt.

Mehr zu den verschiedenen Bauweisen unter Bauverfahren und Rekultivierung.

3. Bodenrekultivierung

Im Rahmen der Rekultivierung stellen wir den ursprünglichen Zustand des Bodens wieder her. Um Absenkungen und Hohlräume zu vermeiden, füllen wir den Boden möglichst feinkörnig wieder ein. Eine Bodenkundliche Baubegleitung prüft die Bodenoberfläche und das Bodenprofil, um sicherzustellen, dass alles korrekt ist. Dabei stellt sie fest, ob zusätzliche Maßnahmen wie Lockerung, Düngung oder Kalkzufuhr erforderlich sind.

Zwischen- und Folgebewirtschaftung

Auf manchen Flächen empfiehlt die Bodenkundliche Baubegleitung vor der erneuten regulären landwirtschaftlichen Nutzung eine Zwischenbewirtschaftung. Diese dient der Regeneration des Bodens. Art und Umfang der Zwischenbewirtschaftung stimmen wir mit den Eigentümer*innen beziehungsweise Bewirtschafter*innen ab. Darüber hinaus gibt die Bodenkundliche Baubegleitung Empfehlungen zur Folgebewirtschaftung.

Baugrunduntersuchung

Die Baugrunduntersuchung (BGU) ist ein vorbereitender Schritt beim Netzausbau. Dabei entnehmen wir Bodenproben durch Bohren und Sondieren, um mehr über den Boden zu erfahren. Diese Proben werden im Labor untersucht, um Daten über die Eigenschaften und Zusammensetzung des Bodens zu sammeln.

Die Ergebnisse der Baugrunduntersuchung fließen in das Bodenschutzkonzept ein. Mehr Informationen zu Baugrunduntersuchungen finden Sie in unserer Broschüre.

Das Schutzgut Boden

Wir untersuchen in langjährigen Monitorings, ob Erdkabel den Boden beeinflussen. Besonders im Fokus sind dabei die Auswirkungen des Baus und des Betriebs des Erdkabels auf den Boden und die Landwirtschaft. Alle bisher durchgeführten Studien zeigen, dass Erdkabel keine langfristigen Auswirkungen auf die Ackerflächen haben. Bodenschonende Bauweise und Rekultivierung zahlen sich aus. Diese Erkenntnisse lassen sich auch auf zukünftige Erdkabelprojekte übertragen.

Hier bekommen Sie einen Überblick über unsere Forschungsprojekte:

  • Im Jahr 2006 haben wir mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg simuliert, ob Bodenerwärmung die Bodeneigenschaften verändern kann.
  • Von 2011 bis 2013 haben wir im nordrhein-westfälischen Osterath erfasst, welche Folgen die unterschiedliche Auslastung eines 110-Kilovolt-Wechselstromkabels für die Umwelt und die Landwirtschaft hat.
  • Seit 2016 liefert uns ein Testfeld in Raesfeld Daten aus dem Probebetrieb einer 380-Kilovolt-Erdkabelanlage: Über 700 Sensoren sammeln Messwerte zum Wärme- und Wasserhaushalt im Trassenbereich. Zudem wurden landwirtschaftliche Erträge oberhalb des Erdkabels ermittelt. Das Monitoring wird 2024 abgeschlossen.
  • Seit Mai 2022 erfassen wir, wie sich ein Hochspannungs-Gleichstrom-Kabel im Regelbetrieb auf den Boden auswirkt: Entlang der Trasse von ALEGrO, der ersten direkten Stromverbindung zwischen Deutschland und Belgien,  überwachen wir die Bodentemperatur sowie die Bodenfeuchte an vier Standorten.

FAQ

Was sind die rechtlichen Grundlagen beim Bodenschutz?

Für jedes unserer Erdkabelprojekte prüfen wir, welche Gesetze zum Bodenschutz wir beachten müssen. Dies hängt von den spezifischen Bedingungen und Eingriffen vor Ort ab. Zwei wichtige Gesetze sind das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) und das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG). Ersteres regelt den Schutz des Bodens vor schädlichen Veränderungen und die Sanierung von Altlasten; letzteres definiert den Boden als Schutzgut und verpflichtet uns, mögliche Auswirkungen unserer Projekte zu überprüfen. Es gibt auch regionale Gesetze, die wir beachten müssen.

Welche Rolle spielt die DIN 19639 beim Bodenschutz?

Die DIN 19639 „Bodenschutz bei Planung und Durchführung von Bauvorhaben“ ist eine Norm zum Schutz des Bodens bei Bauarbeiten. Sie stellt sicher, dass der Boden und seine Funktionen während des Baus so wenig wie möglich beeinträchtigt werden. Dies beinhaltet auch, dass nach Bauabschluss der Boden wieder seine natürlichen Funktionen erfüllen kann, zum Beispiel als landwirtschaftliche Nutzfläche. Die Norm bietet auch Anleitung dafür, wie ein Bodenschutzkonzept erstellt und wie ein Bauvorhaben fachgerecht begleitet und dokumentiert wird.

Was bedeutet bodenschonende Bauweise?

Amprion berücksichtigt folgende Schritte, um den Boden beim Bau von Kabelanlagen so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

  • Während der Planung wird ein Bodenschutzkonzept erstellt. Dieses Konzept beinhaltet an die örtlichen Verhältnisse angepasste Maßnahmen und Handlungsempfehlungen. Die Einhaltung wird im Rahmen der Bodenkundlichen Baubegleitung überwacht.
  • Der Oberboden wird schonend abgetragen und in maximal zwei Meter hohen Bodenmieten gelagert.
  • Die Bodenschichten werden getrennt und separat gelagert.
  • Radfahrzeuge befahren die Trassen nur über eine temporäre Baustraße.
  • Bodenkundlichen Fachexpert*innen begleiten den Bau vor Ort.
  • Nach dem Bau werden die Flächen rekultiviert.

Unser Ziel: Nach Abschluss der Baumaßnahme sollen landschaftlich genutzte Flächen wieder zur Verfügung stehen und die Bodenfunktionen wiederhergestellt sein.

Welchen Einfluss haben Erdkabel auf den Boden und die Vegetation?

Unsere bisherigen Erfahrungen belegen, dass der Betrieb des Erdkabels die Erträge langfristig nicht mindert und zu keinen wesentlichen Bodenveränderungen führt. Der Anbau regulärer Feldfrüchte ist ohne Einschränkungen möglich, solange die Pflanzen nicht durch ihre Wurzeln den Kabelbetrieb beeinträchtigen.

Landwirt*innen befürchten häufig, dass Erdkabel den Boden erwärmen. Unsere Felduntersuchungen zeigen, dass die Temperatur oberhalb und seitlich der Kabel schnell abnimmt. In den oberen Bodenschichten sind auch bei starker Auslastung der Kabel kaum Temperaturunterschiede zu messen. Einen weitaus stärkeren Einfluss als Erdkabel haben wetterbedingte Temperaturschwankungen. Die Bodenfeuchte bleibt nahezu unverändert. Betriebsbedingte Auswirkungen sind damit ökologisch vernachlässigbar.

Kommt es nach Abschluss der Bauarbeiten zu Einbußen bei den landwirtschaftlichen Erträgen?

Unsere Erfahrungen und Studien zeigen, dass auch auf Erdkabeltrassen nach wie vor reguläre Erträge erzielt werden. Es gibt keine Anzeichen für dauerhafte Ertragssteigerungen oder -einbußen.

Was sind die rechtlichen Grundlagen beim Bodenschutz?

Für jedes unserer Erdkabelprojekte prüfen wir, welche Gesetze zum Bodenschutz wir beachten müssen. Dies hängt von den spezifischen Bedingungen und Eingriffen vor Ort ab. Zwei wichtige Gesetze sind das Bundes-Bodenschutzgesetz (BBodSchG) und das Gesetz über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG). Ersteres regelt den Schutz des Bodens vor schädlichen Veränderungen und die Sanierung von Altlasten; letzteres definiert den Boden als Schutzgut und verpflichtet uns, mögliche Auswirkungen unserer Projekte zu überprüfen. Es gibt auch regionale Gesetze, die wir beachten müssen.

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