Hochrhein: Herbertingen – Waldshut-Tiengen

 BBPlG, Vorhaben 23 I Herbertingen – Waldshut-Tiengen I Abschnitt Herbertingen – Punkt Boll (Sauldorf)

Die bestehenden Masten sind Teil der ältesten Höchstspannungsleitung Deutschlands. Sie prägen seit rund 90 Jahren das Landschaftsbild am Hochrhein.

Das Vorhaben Hochrhein erhöht die Übertragungskapazität zwischen Herbertingen und Waldshut-Tiengen und dient somit der Stabilität des Stromnetzes von der Donauebene bis zum südlichen Schwarzwald. Es wurde im Netzentwicklungsplan (NEP) 2030, Version 2019, von der Bundesnetzagentur (BNetzA) als energiewirtschaftlich notwendig bestätigt. Daraufhin nahm der Gesetzgeber das Vorhaben im Jahr 2021 unter der Nr. 23 in die novellierte Fassung des Bundesbedarfsplangesetzes (BBPIG) auf – und erklärte dadurch seinen vordringlichen Bedarf für die Umsetzung der Energiewende. Die vollständige Inbetriebnahme ist für spätestens 2032 geplant.

Ein Vorhaben mit mehreren Maßnahmen

Das Vorhaben Hochrhein umfasst sowohl den Neubau und die Modernisierung mehrerer Umspannanlagen im südlichen Baden-Württemberg als auch den Ersatzneubau der bestehenden Höchstspannungsfreileitungen, die diese Umspannanlagen verbinden. Da die geplanten Maßnahmen sowohl eine Freileitung von Amprion als auch eine Freileitung von TransnetBW betreffen, setzen die beiden Übertragungsnetzbetreiber das Vorhaben gemeinsam um.

Beide Übertragungsnetzbetreiber modernisieren umfassend ihre Gemeinschaftsstandorte in Herbertingen und Waldshut-Tiengen/Gurtweil. Um die Versorgungssicherheit in der Bodenseeregion langfristig gewährleisten zu können, erneuert TransnetBW zudem seine Umspannanlage in Beuren und ersetzt die bisherige Umspannanlage in Stockach durch eine neue im Raum der Gemeinden Pfullendorf und Wald.

Um die Umspannanlagen in Herbertingen und Waldshut-Tiengen auch künftig sicher an das europäische Verbundnetz anzuschließen, ist es außerdem erforderlich, die bestehende, insgesamt rund 115 Kilometer lange Höchstspannungsfreileitung zwischen diesen Anlagenstandorten durch eine neue zu ersetzen. Zum einen haben die Masten, die als Teil der historischen Nord-Süd-Leitung überwiegend aus den 1930er Jahren stammen, das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Zum anderen ist die Transportkapazität dieser Leitung mit einem 380- und einem 220-Kilovolt-Stromkreis nicht mehr ausreichend, um die steigenden Anforderungen an das deutsche Stromnetz zu bewältigen. Die Leitung soll daher in Zukunft zwei leistungsfähigere 380-Kilovolt-Stromkreise führen.

Dadurch kann eine auf 80 Kilometern zwischen den Umspannanlagen Gurtweil und Beuren beziehungsweise Stockach weitgehend parallel verlaufende 220-Kilovolt-Stromleitung von TransnetBW ersatzlos entfallen. Die Versorgungsaufgabe der 220-Kilovolt-Leitung der TransnetBW wird in Zukunft von der neuen Leitung übernommen. Die Umspannanlage Beuren und die im Raum der Gemeinden Pfullendorf und Wald geplante Umspannanlage werden an die neue Leitung angeschlossen. Dadurch ergibt sich im Endzustand voraussichtlich eine Gesamtlänge der neuen Leitung von 140 Kilometern.

Den Vorgaben des NEP und des BBPlG entsprechend wollen wir die neue Stromleitung als Freileitung errichten, für die wir weitgehend die Bestandstrasse nutzen. Dieses Vorgehen folgt dem Bündelungs- und Minimierungsgedanken des sogenannten NOVA-Prinzips der Netzplanung: Netz-Optimierung vor -Verstärkung vor -Ausbau. Das bedeutet: Bestehende Stromleitungen werden zunächst optimiert, bevor wir über weitergehende Maßnahmen nachdenken.

Bedarf und Notwendigkeit

Neben dem Alter der Leitung ist eine vollständige Erneuerung vor allem aus elektrotechnischen Gründen erforderlich. Das Übertragungsnetz im Bereich Hochrhein hat die Aufgabe, die Leistung aus den Laufwasserkraftwerken und Pumpspeicherwerken am Hochrhein abzutransportieren und die sichere Versorgung der Region Hochrhein-Bodensee zu gewährleisten. Zusätzlich dient das Übertragungsnetz hier auch zum Leistungsaustausch mit der Schweiz und ist damit über die Region hinaus von zentraler Bedeutung für eine sichere Stromversorgung.

Perspektivisch entfällt zudem die 220-Kilovolt-Spannungsebene, weil ihre Transportkapazität im Zuge der Energiewende an ihre Grenzen stößt. Die Versorgungsaufgabe wird daher in diesem Bereich zukünftig vom 380-Kilovolt-Netz übernommen. Neben den Stromkreisen der Leitung müssen auch die Umspannanlagen auf diesen Stand gebracht werden.