Informationen zum Ausgleichsenergiepreis

Regelzonenübergreifender einheitlicher Bilanzausgleichsenergiepreis (reBAP)

Seit Februar 2020 wird die nachfolgende Modellbeschreibung zur Ermittlung des reBAP unter Beachtung von Beschluss BK6-12-024 der Bundesnetzagentur angewandt:

Modellbeschreibung der reBAP-Berechnung seit 01.07.2020

Im Rahmen der Weiterentwicklung des Ausgleichsenergiepreissystems werden mit dem oben genannten Modell die Beschlüsse der Bundesnetzagentur BK6-12-024 vom 25.10.2012 sowie BK6-19-217 vom 11.12.2019 und BK6-19-552 vom 11.05.2020 abrechnungstechnisch umgesetzt, um bei den Bilanzkreisverantwortlichen (BKV) eine verbesserte Bilanzkreisbewirtschaftung herbeizuführen.

Allgemeines zum Ausgleichsenergiepreis (AEP)

Damit die Netzsicherheit zu jedem Zeitpunkt gewährleistet ist muss jeder (kommerzielle) Stromproduzent & -abnehmer eine viertelstundenscharfe Prognose über die elektrische Energie am Folgetag liefern, welche ins Netz eingespeist bzw. aus diesem entnommen werden sollen. Dabei führen unvorhergesehene Abweichungen in der Prognose oder Kraftwerksausfälle zu einer Abweichung, welche auch zu einer Abweichung im jeweiligen Bilanzkreis (BK) führt. Um dies auszugleichen, muss seitens der Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) Regelreserve als Ausgleichsenergie eingesetzt werden.

Der Ausgleichsenergiepreis, auch reBAP (regelzonenübergreifender einheitlicher Bilanzausgleichsenergiepreis) genannt, bestimmt auf BK-Seite den Preis der eingesetzten Ausgleichsenergie. In einem perfekt ausgeglichenen System ohne jegliche Prognoseabweichungen innerhalb der einzelnen Bilanzkreise und somit auch ohne Einsatz von Regelreserve würde sich dieser Wert daher auf 0 €/MWh belaufen. Deshalb wird der AEP nicht als Pönale für Prognoseabweichungen der BKVs verstanden, sondern stellt vielmehr den Preis der tatsächlich aktivierten Regelreserve dar. Diese kann nicht nur zur Kosten, sondern auch zu Erlösen führen, falls die Preise für Regelarbeit negativ sind oder ein Bilanzkreis systemstützend von seiner Prognose abgewichen ist.

Historie

Bis Mai 2009 existierte in jeder Leistungsfrequenzregelzone in Deutschland ein individueller, eigens bestimmter Ausgleichsenergiepreis.

Zum Juni 2010 erfolgte die Einführung eines deutschlandweit einheitlichen Ausgleichsenergiepreises. Mit der vollständigen Kooperation der deutschen ÜNB im nationalen Netzregelverbund (NRV) wird auch die Bestimmung des Ausgleichsenergiepreises deutschlandweit vereinheitlicht (BK6-08-111). Dieser stellt einen mittleren mengengewichteten Arbeitspreis dar, welcher sich für jede Viertelstunde aus den Kosten und Erlösen für den Abruf der Regelreserve und des Saldos des Netzregelverbundes ergibt. Aufgrund des symmetrischen Preissystems und der Saldierung positiver und negativer Mengen bzw. Kosten, können kleine NRV-Salden im Nenner zu hohen Preisen führen. Zur Vermeidung von hohen Preisen bei geringen Abweichungen findet eine Kappung des Ausgleichsenergiepreises auf den höchsten abgerechneten Arbeitspreis für Sekundärregel- und Minutenreserve statt. Die Verrechnung dieser nicht wälzbaren Kosten erfolgt über eine Zusatzpreiskomponente. Diese ist, je nach Vorzeichen des NRV-Saldos, ein über dem Monat vom Betrag her gleichbleibender Preisauf- oder -abschlag.

Über die Jahre fanden zudem folgende, nennenswerte Anpassungen und Verbesserungen der Ausgleichsenergiepreissystematik statt:

Zum Dezember 2012 erfolgte die Weiterentwicklung des AEPs gemäß Beschluss BK6‐12‐024. Die wesentlichen Änderungen umfassen die Kopplung des AEPs an den stündlichen Intraday-Börsenpreisindex („Börsenpreiskopplung“). Um BKV stärker zu beanreizen, ausgeglichen zu sein oder sich systemstützend zu verhalten wurde außerdem ein Zu- bzw. Abschlag auf den reBAP im Falle der Aktivierung von 80 % der deutschlandweit kontrahierten positiven oder negativen Regelleistung eingeführt („Knappheitskomponente“). Überdies wurde in oben genannten Beschluss die Berücksichtigung der bis dahin nicht wälzbaren Kosten aus der Preiskappung, zusammen mit den Mehrerlösen, in den Netzentgelten ermöglicht.

Die Integration eines Wälzungsmechanismus erfolgte zum Oktober 2013. Dadurch wird der Umgang mit Preiskorrekturen nach der Veröffentlichung des reBAP geregelt. Aufgrund der Komplexität in der Ermittlung der einzelnen Eingangsgrößen des reBAP können Fehler bei der reBAP-Berechnung auftreten. Daher wurde der Wälzungsmechanismus entwickelt. Dieser sieht vor, dass aus Fehlerkorrekturen resultierende Mehr- oder Mindererlöse im reBAP des bzw. der Folgemonate verrechnet werden. Eine Verrechnung erfolgt über eine Zusatzkomponente, welche einen über den Monat vom Betrag her gleichbleibenden Preisaufschlag oder -abschlag in jeder Viertelstunde darstellt. Um durch Fehlkalkulationen eine signifikante Beeinflussung des reBAP zu verhindern, wurde das entsprechende Limit der Korrektur innerhalb eines Monats auf maximal +/-3 % der Regelarbeitskosten des jeweiligen Monats gesetzt. Dieser Wert darf zudem +/-3 €/MWh nicht überschreiten.

Modellbeschreibung der reBAP-Berechnung vom 01.10.2013 bis 30.04.2016

Am 01.05.2016 erfolgte die Umsetzung der Branchenlösung. Diese sieht eine zusätzliche Begrenzung der Preise zur Vermeidung von Preisspitzen bei geringen NRV‐Salden vor. Im Rahmen der Abstimmung einer Branchenlösung zwischen den BKVs und den ÜNBs wurde ein zusätzlicher Kappungsschritt (AEP20) erarbeitet und von der Bundesnetzagentur zur Umsetzung freigegeben. Ziel war eine weitere Begrenzung zur Vermeidung von hohen Ausgleichsenergiepreisen bei NRV-Salden zwischen -125 MWh und +125 MWh bzw. -500 MW und +500 MW, die nach dem Berechnungsschritt AEP2 verbleiben. Die Begrenzung erfolgt mit einer linear ansteigenden bzw. abfallenden Funktion in Abhängigkeit des NRV-Saldos. Zur Bestimmung der Begrenzungsfunktion wird der mengengewichtete, durchschnittliche Preis des Stundenprodukts der jeweiligen Stunde aus dem kontinuierlichen Intraday-Handel an der EPEX Spot mit einem Auf- oder Abschlag zwischen 100-250 €/MWh versehen.

Modellbeschreibung der reBAP-Berechnung vom 01.05.2016 bis 31.01.2020

Im Februar 2020 erfolgt eine Anpassung der Knappheitskomponente. Diese sieht vor, dass nicht mehr ein Vergleich der vorgehaltenen Regelleistung mit dem Saldo der eingesetzten Regelarbeit erfolgt sondern die vorgehaltene Regelleistung mit dem Saldo des deutschen Netzregelverbundes (SaldoNBV) verglichen wird.

Modellbeschreibung der reBAP-Berechnung vom 01.02.2020 bis 30.06.2020