Was passiert 2026 im Leitungsbau?
Ein Beispiel für den fortgeschrittenen Leitungsbau an Land ist das Projekt Urberach–Weinheim in Hessen. Der erste Abschnitt soll im zweiten Halbjahr 2026 in Betrieb gehen. Eine bestehende 220-Kilovolt-Leitung wird auf 380 Kilovolt verstärkt. Das schafft mehr Transportkapazität im Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Raum. Die Region ist geprägt von hoher industrieller Dichte, wachsender Digitalwirtschaft und mehreren Verteilnetzen, die zusätzliche Last aufnehmen müssen.
Ein weiteres Beispiel: das Projekt Metternich – Niederstedem. Dort wird die bestehende 220-Kilovolt-Leitung im laufenden Betrieb auf die Spannungsebene von 380 Kilovolt angehoben. Hintergrund: Nicht nur in Küstennähe, sondern auch in den großen Windparks im Binnenland wird Windenergie erzeugt – wie etwa in der Eifel und im Hunsrück. Den Windstrom gilt es in das Übertragungsnetz einzuspeisen. So kann er dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird. Geplant ist, die Leitung in der zweiten Jahreshälfte 2028 in Betrieb zu nehmen.
Wer profitiert vom Ausbau der Leitungen?
Mit dem Netzausbau bereitet Amprion den Weg für ein klimaneutrales, versorgungssicheres und bezahlbares Energiesystem. Stichwort Versorgungssicherheit: Zusätzliche Leitungen und verstärkte Trassen erleichtern die Steuerung von Lastflüssen und helfen, das Netz auch in Ausnahmesituationen stabil zu halten. Für unsere Kunden ist das ein wichtiger Standortfaktor.
Zudem senkt der zügige Netzausbau die Redispatch-Kosten deutlich. Hintergrund: Immer wieder müssen die Netzbetreiber die Stromerzeugung punktuell drosseln und an anderer Stelle erhöhen, um die Überlastung einzelner Leitungen zu vermeiden. Die Kosten dafür beliefen sich 2025 auf 3,1 Milliarden Euro. „Wenn beispielsweise die Stromtrassen Ultranet und A-Nord voraussichtlich 2026 und 2027 in Betrieb gehen, spart allein das jährlich etwa 700 Millionen Euro Redispatch-Kosten“, sagt Hendrik Neumann.
Welche Umspannanlagen entstehen 2026 neu?
Umspannanlagen sind zentrale Knoten im Stromnetz: Dort wird elektrische Energie zwischen verschiedenen Spannungsebenen umgewandelt und verteilt. Im ersten Halbjahr 2026 hat Amprion zum Beispiel in der Umspannanlage Merzen in Niedersachsen den Abschluss des ersten Bauabschnitts gefeiert. Nach der für 2030 geplanten Gesamt-Fertigstellung steht ein weiteres „Einspeisetor“ für Windstrom und Speicher in das Höchstspannungsnetz zur Verfügung.
Im zweiten Halbjahr 2026 sollen die Bauarbeiten an der 380-Kilovolt-Umspannanlage Marxheim in Hofheim am Taunus beginnen. Der Stromverbrauch in Hessen wird sich bis 2045 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Marxheim nimmt eine Schlüsselrolle dabei ein, diesen Bedarf zu decken.
Insgesamt will Amprion 2026 mindestens 55 Schaltfelder bauen, Flächen für vier neue Umspannanlagen sichern und zehn neue Netzkuppeltransformatoren bauen. Diese Anlagen transformieren elektrische Energie von einer Spannungsebene auf eine andere.