Netzausbau 2026: Die Energiewende kommt sichtbar voran

Netzplanung
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Gelsenkirchen
Gutachten und Genehmigungsverfahren – das ist nicht alles. Netzausbau bei Amprion – das sind heute immer häufiger Bagger und Baustellen.

Im gesamten Netzgebiet werden Leitungen verstärkt, Umspannanlagen erweitert, neue Betriebsstandorte entstehen. Knapp 1.200 Streckenkilometer Leitungen wurden bereits in den letzten Jahren fertiggestellt, mehr als 1.380 Kilometer befinden sich aktuell im Bau.

Ein schematisches Icon in Blautönen, das zwei große Freileitungsmasten darstellt, die durch Hochspannungsleitungen verbunden sind und das Stromnetz symbolisieren.
1.200 km
Leitungen fertig
800 km
im Bau

Die Energiewende gewinnt Gestalt: durch zusätzliche Übertragungskapazitäten, stärkere Netzknoten und robustere Betriebsstrukturen. All das zahlt ein auf Versorgungssicherheit – einen zentralen Standortfaktor im internationalen Wettbewerb – und auf Bezahlbarkeit: „Der zügige Netzausbau ist essenziell, um die Redispatch-Kosten zu reduzieren“, sagt Amprion-CTO Dr. Hendrik Neumann. Unter Redispatch verstehen Fachleute das Management von Engpässen im Stromnetz.

Das Foto zeigt Herrn Dr. Neumann. Dr. Hendrik Neumann ist seit 2021 Mitglied der Geschäftsführung der Amprion GmbH. Als Chief Technical Officer (CTO) verantwortet er die Aufgabenbereiche Asset Management, Netzprojekte, Offshore, Systemführung Netze und Arbeitssicherheit.

Der zügige Netzausbau ist essenziell, um die Redispatch-Kosten zu reduzieren.

Dr. Hendrik Neumann

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CTO von Amprion

Was passiert 2026 im Leitungsbau?

Ein Beispiel für den fortgeschrittenen Leitungsbau an Land ist das Projekt Urberach–Weinheim in Hessen. Der erste Abschnitt soll im zweiten Halbjahr 2026 in Betrieb gehen. Eine bestehende 220-Kilovolt-Leitung wird auf 380 Kilovolt verstärkt. Das schafft mehr Transportkapazität im Rhein-Main- und Rhein-Neckar-Raum. Die Region ist geprägt von hoher industrieller Dichte, wachsender Digitalwirtschaft und mehreren Verteilnetzen, die zusätzliche Last aufnehmen müssen.

Ein weiteres Beispiel: das Projekt Metternich – Niederstedem. Dort wird die bestehende 220-Kilovolt-Leitung im laufenden Betrieb auf die Spannungsebene von 380 Kilovolt angehoben. Hintergrund: Nicht nur in Küstennähe, sondern auch in den großen Windparks im Binnenland wird Windenergie erzeugt – wie etwa in der Eifel und im Hunsrück. Den Windstrom gilt es in das Übertragungsnetz einzuspeisen. So kann er dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird. Geplant ist, die Leitung in der zweiten Jahreshälfte 2028 in Betrieb zu nehmen.

Wer profitiert vom Ausbau der Leitungen?

Mit dem Netzausbau bereitet Amprion den Weg für ein klimaneutrales, versorgungssicheres und bezahlbares Energiesystem. Stichwort Versorgungssicherheit: Zusätzliche Leitungen und verstärkte Trassen erleichtern die Steuerung von Lastflüssen und helfen, das Netz auch in Ausnahmesituationen stabil zu halten. Für unsere Kunden ist das ein wichtiger Standortfaktor.

Zudem senkt der zügige Netzausbau die Redispatch-Kosten deutlich. Hintergrund: Immer wieder müssen die Netzbetreiber die Stromerzeugung punktuell drosseln und an anderer Stelle erhöhen, um die Überlastung einzelner Leitungen zu vermeiden. Die Kosten dafür beliefen sich 2025 auf 3,1 Milliarden Euro. „Wenn beispielsweise die Stromtrassen Ultranet und A-Nord voraussichtlich 2026 und 2027 in Betrieb gehen, spart allein das jährlich etwa 700 Millionen Euro Redispatch-Kosten“, sagt Hendrik Neumann.

Welche Umspannanlagen entstehen 2026 neu?

Umspannanlagen sind zentrale Knoten im Stromnetz: Dort wird elektrische Energie zwischen verschiedenen Spannungsebenen umgewandelt und verteilt. Im ersten Halbjahr 2026 hat Amprion zum Beispiel in der Umspannanlage Merzen in Niedersachsen den Abschluss des ersten Bauabschnitts gefeiert. Nach der für 2030 geplanten Gesamt-Fertigstellung steht ein weiteres „Einspeisetor“ für Windstrom und Speicher in das Höchstspannungsnetz zur Verfügung.

Im zweiten Halbjahr 2026 sollen die Bauarbeiten an der 380-Kilovolt-Umspannanlage Marxheim in Hofheim am Taunus beginnen. Der Stromverbrauch in Hessen wird sich bis 2045 voraussichtlich mehr als verdoppeln. Marxheim nimmt eine Schlüsselrolle dabei ein, diesen Bedarf zu decken.

Insgesamt will Amprion 2026 mindestens 55 Schaltfelder bauen, Flächen für vier neue Umspannanlagen sichern und zehn neue Netzkuppeltransformatoren bauen. Diese Anlagen transformieren elektrische Energie von einer Spannungsebene auf eine andere.

Wem bringen die neuen Umspannanlagen etwas?

Im Rahmen der Dekarbonisierung benötigen Wirtschaft und Haushalte immer mehr elektrische Energie. Neue Umspannanlagen erhöhen die Fähigkeit des Stromnetzes, große Energiemengen regional zu verteilen. Bis 2037 will Amprion 50 Prozent mehr Umspannanalagen als heute im System haben.

Gleichzeitig stärken Umspannanlagen die Versorgungssicherheit ganzer Regionen. Sie sind die Schnittstellen, über die Energie aus dem Übertragungsnetz zu Stadtwerken, Industrieclustern, Rechenzentren und Ladeinfrastruktur gelangt. Das ist gerade in Bundesländern wichtig, die einen Großteil ihres Stroms importieren. Unternehmen investieren dort, wo sie langfristig auf eine stabile und zuverlässige Stromversorgung vertrauen können. Neue Umspannanlagen tragen dazu bei.

Welche Betriebsstandorte gehen 2026 an den Start?

2026 treibt Amprion auch den Ausbau seiner Betriebsstandorte voran. Ein Meilenstein war das Richtfest des neuen Betriebsstandorts Ruhr in Gelsenkirchen im März 2026. Der Standort liegt verkehrsgünstig nahe der Autobahnen A 2 und A 42. Von dort aus werden künftig Wartung und Instandhaltung von rund 1.800 Freileitungsmasten gesteuert. Es entstehen etwa 100 Arbeitsplätze. Zudem wird Gelsenkirchen ein Ausbildungsstandort für Elektroniker*innen für Betriebstechnik.

Bis Ende 2026 folgen zwei weitere neue Betriebsstandorte: In Meerbusch-Osterath entsteht auf dem Gelände der Umspannanlage Osterath ein Betriebsgebäude für rund 50 Mitarbeitende, in Wietmarschen-Lohne ein Standort für etwa 70 Beschäftigte mit einer Logistikhalle für Komponenten.

Katrin Hilmer, Mitglied der Amprion-Geschäftsführung: Sie sitzt auf einem grauen Sofa, trägt einen dunkelblauen Hosenanzug mit weißer Bluse und blickt freundlich in die Kamera. Im Hintergrund eine Holzvertäfelung.

Ein resilientes Stromnetz entsteht auch durch starke Betriebsstandorte.

Katrin Hilmer

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COO von Amprion

Was haben Kunden von neuen Betriebsstandorten?

Von den neuen Standorten aus lassen sich Leitungen und Anlagen leichter warten und Störungen schneller beheben. „Ein resilientes Stromnetz entsteht nicht nur durch neue Leitungen und Anlagen, sondern auch durch starke Betriebsstandorte vor Ort“, sagt Amprion-COO Katrin Hilmer. Der Standort Ruhr in Gelsenkirchen etwa stärkt den Netzbetrieb vom Raum Köln bis zur niederländischen Grenze und macht Versorgungssicherheit zu einem Standortvorteil für Unternehmen in einer strukturell herausgeforderten Region.