„Tauschbar“: Begeisterte Kinder beim Elektro-Tag

Umwelt
Lesedauer: 7 Min.
Gruppe von Erwachsenen und Kindern steht vor einem Gebäude mit der Aufschrift 'tauschbar Steilshoop'
Aisha (8) dreht am Rad – genau gesagt an den Flügeln eines Windrad-Modells. Direkt hinter der Nabe hängt an Kontakten ein Modellauto mit einem Akku. Und siehe da: Kaum hat sie ein paarmal gedreht, ist der Akku so weit aufgeladen, dass das Auto sich in Bewegung setzt, wenn man es aus seiner Halterung löst und auf den Tisch stellt. „Dass das Auto fährt, das hast Du gemacht“, erklärt Erich Rüde dem sichtlich stolzen Mädchen. Technisch gesprochen: Mithilfe des Generators wurde die kinetische Energie des Windes in elektrische Energie und anschließend wieder in Bewegungsenergie umgewandelt.

Amprion-Mitarbeiter Rüde und seine Kollegin Ela Tanocki werden später noch mit den Kindern an diesem stürmisch-nassen Tag vor die Tür gehen und vorführen, wie man mit dem Windrad so den Weg auf- und ab rennt und sich um die eigene Achse dreht, dass sich das Rad schnell dreht und man damit besonders viel Energie erzeugt, Nachmachen? Ausdrücklich erwünscht und gerne wahrgenommen! Viele glückliche Gesichter, bei Kindern wie Erwachsenen bei diesem „Elektro-Tag“.

Viele Aha-Erlebnisse – und glückliche Gesichter

Die Sache mit dem Windrad ist ein echtes Aha-Erlebnis – eines von vielen an diesem Vormittag im Hamburger Stadtteil Steilshoop, wo der Verein Tausche Bildung für Wohnen seine „Tauschbar“ betreibt. Amprion-Mitarbeiter*innen aus dem Norden und einige Kolleg*innen aus der Dortmunder Zentrale sind hierhergekommen, um sich an einem Vormittag in den Ferien mit 15 Kindern aus prekären Verhältnissen an verschiedenen Stationen ganz handfest und spielerisch mit dem Thema Energie zu beschäftigen. Gestandene Ingenieur*innen, die sonst mit ungleich komplexerer Materie zu tun haben, machen sich großartig beim kindgerechten Erklären und Vorführen von einfachen Stromkreisen, von Magnetismus oder eben Energiegewinnung aus Windkraft. Kosmos-Baukästen bilden die Materialbasis an den verschiedenen Stationen – und auch das Lego-Modell, das den Weg vom Offshore-Windpark bis zur Umspannanlage an Land darstellt, ist ein Hingucker. „Es hilft natürlich, wenn man selbst Kinder in dem Alter hat“, erklärt Erich Rüde, warum er so leicht einen Draht zu den Kindern gefunden hat.

Wir wollten nicht einfach nur eine Spende überreichen und uns dann wieder zurückziehen.

Teresa Paus, Verantwortliche für Community Development bei Amprion

Kostenloser Wohnraum – ein großes Plus für Bildungspat*innen

Hintergrund des großen Ferien-Erlebnistages: „Tausche Bildung für Wohnen“ in Hamburg ist Kooperationspartner des Amprion-Bildungsförderungsprogramm „Community Development”. Finanzielle Förderung ist dabei eine Sache, „wir wollten aber nicht einfach nur den üblichen Spendenscheck überreichen und uns dann zurückziehen“, sagt Teresa Paus, die für die Kooperation bei Amprion mitverantwortlich zeichnet. „Wir wollen uns vielmehr auch persönlich engagieren und uns dort einbringen, wo es für das Projekt Sinn ergibt – und wir mit Know-How unterstützen können.“ Die Idee hinter dem Projekt so einfach wie überzeugend: Junge Menschen, die sich im Rahmen eines Bundesfreiwilligendienstes/FSJ als Bildungspat*innen für Kinder aus benachteiligten Stadtteilen engagieren, können im Gegenzug mietfrei wohnen – ein beachtlicher Nutzen in der teuren Hansestadt. Die Pat*innen waren auch beim Amprion-Tag dabei, begleiteten die Kinder zu den Stationen und spielten in den Pausen zur Auflockerung mit ihnen.

Danke, dass Amprion diesen Vormittag gestaltet hat. Das ist außergewöhnlich für einen Projektpartner.

Anna-Sophie Hippke, Vereinsvorsitzende „Tausche Bildung für Wohnen“ Hamburg

„Die Kinder des Quartiers haben ohne entsprechende Angebote kaum Chancen, aus der Bildungs-Armut auszubrechen“, sagt „Tausche Bildung“-Vereinsvorsitzende Anna-Sophie Hippke. Dafür gibt es die besagte „Tauschbar“: ein Lern- und Erlebnisraum für die Kinder des Stadtteils in einem alten Gewerbepavillon. Ein Ort zum Lernen, Spielen, Freundschaften schließen. Gleich drei Seiten profitieren von diesem Projekt: neben den Kindern auch die Bildungspat*innen und letztlich der ganze Stadtteil.

Info

Vielfach ausgezeichnetes Modell – jetzt auch in Hamburg

Ursprünglich wurde das vielfach ausgezeichnete Modell in Duisburg entwickelt und umgesetzt. Hamburg-Steilshoop ist seit 2023 als Franchise der erste Standort außerhalb von NRW. Steilshoop ist eine Großbausiedlung aus den 1960ern. Hier zeigt sich das vermeintlich so wohlhabende Hamburg von einer anderen Seite: Die Menschen in Steilshoop haben ein deutlich niedrigeres Einkommen als der Hamburger Durchschnitt, die Arbeitslosenquote und der Anteil von Sozialleistungsempfänger*innen ist hier signifikant höher.

Lange Wartelisten: Nachfrage und Bedarf sind riesig

Lange Wartelisten verdeutlichen die Nachfrage und den Bedarf an diesem Angebot. „Dass wir hier etwas richtig machen, spiegeln uns die Eltern, die Lehrer*innen und auch andere Kontakte der Kinder. Wir erleben nicht nur, dass die Schulleistungen sich verbessern, sondern auch sozial machen die Kinder eine enorme Entwicklung. Das bedeutet uns viel", sagt die Vereinsvorsitzende.

Und nicht nur dem Verein, auch Amprion. „Für uns war klar: Wenn wir mit unserem Engagement über das Finanzielle hinaus etwas beitragen können, dann sind wir dabei“, betont derweil Zita Hagemann, Leiterin Offshore Services bei Amprion. Dass man hier etwas handfest tun kann, war schnell offensichtlich. Denn neben kostenloser Lernförderung, Freizeitangeboten am Wochenende und interkulturellen Festen gibt es auch noch die mehrwöchigen Ferienprojekte. Und da sind kreative Ideen und entsprechendes „Personal“ immer gefragt. Eben solche wie der Energie-Tag im Amprion. „Danke, dass Amprion in diesem Rahmen einen Vormittag gestaltet hat“, sagt Anna-Sophie Hippke. „Das ist sehr außergewöhnlich für einen Projektpartner.“