​​Auf dem Weg zu einer neuen Netzentgeltsystematik​

Energiewirtschaft
Das Foto zeigt eine beeindruckende Innenansicht einer Gießerei oder eines Stahlwerks während des Gießvorgangs von flüssigem Metall.
Zentrales Element: Eine massive, dunkle Gießpfanne hängt an einem mächtigen Deckenkran im oberen Bildzentrum. Aus der Pfanne ergießt sich ein heller, orange-gelb leuchtender Strom aus flüssigem Eisen oder Stahl in eine Reihe von Gussformen, die auf dem Boden angeordnet sind. Über der Pfanne steigen Hitze und leichter Dampf auf.
Personen und Arbeit: Zwei Stahlarbeiter in Schutzkleidung steuern den Prozess im Vordergrund.
Ein Arbeiter rechts trägt einen silbernen Hitzeschutzanzug, einen roten Schutzhelm und ein golden verspiegeltes Visier zum Schutz gegen die extreme Strahlungshitze. Er hantiert mit einer langen Stange an der Gießpfanne.
Ein zweiter Arbeiter in blauer Arbeitskleidung steht links von ihm und unterstützt den Vorgang mit einem langen Werkzeug.
Anlage und Umgebung: Die Gussformen sind in langen, parallelen Reihen auf dem Werkshallenboden aufgestellt. In einigen bereits befüllten Formen im linken Vordergrund lodern helle Flammen auf. Die Halle im Hintergrund ist weitläufig und eher dunkel, mit vereinzelten gelben Lichtern an der Decke und einer metallenen Treppenkonstruktion.
Atmosphäre: Das Bild vermittelt durch die starken Kontraste zwischen der dunklen Halle und dem intensiv leuchtenden, flüssigen Metall eine Hitze ausstrahlende und hochindustrielle Arbeitsumgebung.
​​Die aktuelle Amprion-Kundenbefragung zeigt: Die Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom (AgNes) beschäftigt die Stromwirtschaft. In den laufenden Konsultationen setzt sich Amprion unter anderem dafür ein, Netzentgelte nach dem Verursacherprinzip zu bemessen.​

Die Bundesnetzagentur (BNetzA) ist verpflichtet, bis spätestens 2028 das Netzentgeltsystem zu überarbeiten. Die neuen Regelungen sollen die bisherigen Bestimmungen der Stromnetzentgeltverordnung (StromNEV) ersetzen. Die BNetzA hat einen Konsultationsprozess gestartet, an dem sich auch die Übertragungsnetzbetreiber beteiligen.

Alle Beteiligten sind sich einig, dass eine neue Netzentgeltsystematik nötig ist. Sie muss dem tiefgreifenden Wandel des Energiesystems Rechnung tragen. Er ist gekennzeichnet durch mehr volatile Einspeisung erneuerbarer Energien und einen rasanten Zubau von Speichern. „All dies erfordert ein angepasstes regulatorisches Rahmensystem”, sagt Marco Stoltefuß, Leiter Regulierungsmanagement bei Amprion.

Info

Ergebnisse der Amprion-Kundenbefragung

Mehr als 80 Prozent der Befragten kennen AgNes. Mehr als die Hälfte hat sich bereits damit auseinandergesetzt. Drei Viertel der Befragten wünschen weitere Informationen.

Es geht um Verursachungsgerechtigkeit

Amprion setzt sich insgesamt für niedrigere Netzentgelte ein – und im Rahmen der Konsultationen insbesondere für eine verursachungsgerechtere Kostenzuordnung. „Die Netzentgelte sind hoch, da in der jetzigen Transformationsphase steigende Kosten für den Netzausbau und für das Engpassmanagement auf dieselben Netzkunden verteilt werden – erst recht, wenn in einem Jahr einmal kein staatlicher Zuschuss fließt“, so Marco Stoltefuß. Er erinnert zudem daran, dass Netzentgelte laut EU-Strombinnenmarktverordnung „kostenorientiert und transparent“ zu bilden seien. „Privilegien beim Netzentgelt sind daher mit netzdienlichen Eigenschaften zu verknüpfen. Amprion setze sich etwa dafür ein, Batteriespeicher nicht mehr pauschal vom Netzentgelt zu befreien.

Portrait von Marco Stoltefuss ind Geschäfskleidung

Privilegien beim Netzentgelt sind mit netzdienlichen Eigenschaften zu verknüpfen.

Marco Stoltefuß

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Leiter des Regulierungsmanagements bei Amprion

Konkret geht Amprion mit folgenden Positionen in die Konsultationen:

  • Das Stromnetz wird dauerhaft vorgehalten – auch für Netznutzer, die es nur gelegentlich oder als Backup nutzen, zum Beispiel Prosumer. Diese Backup-Funktion des Netzes ist in einem neuen Netzentgeltsystem angemessen anzuerkennen und zu bepreisen.
  • Das aktuelle System der Jahresleistungspreise setzt falsche Anreize und kann flexible Lastanpassungen hemmen. Es sollte daher abgeschafft werden.
  • Netzentgeltprivilegien sind an netzdienliches Verhalten zu koppeln.
  • Alle Netznutzer sollen sich an den Netzkosten beteiligen – auch Einspeiser, etwa über einen (regional differenzierten) Baukostenzuschuss.
  • Netzdienliche dynamische Netzentgelte können zwar Engpasskosten senken. Dafür bedarf es aber zunächst weiterer Intelligenz im Netz, zum Beispiel intelligenter Messsysteme.
  • Zuschüsse können die Netzentgelte während der angesprochenen Transformationsphase des Energiesystems nachhaltig effektiv stabilisieren.

Was bringen dynamische Netzentgelte?

Im Rahmen des Konsultationsprozesses vertiefen Workshops einzelne Aspekte der Netzentgeltreform. Die Themen sind komplex. Ein Beispiel sind die dynamischen Netzentgelte. Die BNetzA hatte Orientierungspunkte für die Ausgestaltung einer dynamischen Netzentgeltkomponente ab 2029 veröffentlicht. „Ziele sind vor allem, Netzengpässe und Kosten des Engpassmanagements zu reduzieren“, erklärt Marian Hofer, Referent Nationales Regulierungsmanagement bei Amprion.

Der Vorschlag der BNetzA: Ein zusätzlicher, örtlich und zeitlich variabler Arbeitspreis wird day-ahead – also einen Tag im Voraus – veröffentlicht. Er gilt symmetrisch – also mit positiven und negativen Preisimpulsen – und richtet sich an alle Netznutzer: Verbraucher, Einspeiser und Speicher. Die Branche soll laut BNetzA eine Methode zur Bemessung dieses Arbeitspreises entwickeln, mit dem Ziel, genau den gewünschten Umfang an Reaktionen von Marktteilnehmern zu erzielen und Engpässe im Netz so idealerweise aufzuheben.

Diskussion um Detailfragen

Doch der Teufel steckt im Detail: Amprion und die anderen Übertragungsnetzbetreiber geben zu bedenken, dass sich dynamische Netzentgelte zwar theoretisch positiv auf das Engpassmanagement auswirken. Sie seien aber an bestimmte Voraussetzungen gebunden, die die ÜNB teilweise nicht beeinflussen könnten: Gibt es genügend flexible Netznutzer am richtigen Ort, die auf Preissignale reagieren können? Ist die Qualität der Prognose eines Engpasses genau genug? Hinzu kommt: Aus Amprion-Sicht werden auch nach Einführung dynamischer Netzentgelte Redispatch-Instrumente einzusetzen sein. Insgesamt überwiegen die Nachteile: „Die Einführung dynamischer Netzentgelten sehen wir daher in dieser Form skeptisch”, sagt Marian Hofer.

Das Porträtfoto zeigt einen jungen Mann in einer modernen Büroumgebung.
Person und Erscheinung: Der Mann blickt mit einem offenen, freundlichen Lächeln direkt in die Kamera. Er hat welliges, braunes Haar, das bis zu den Ohren reicht, und eine sympathische Ausstrahlung.
Kleidung: Er trägt ein dunkelgraues Sakko über einem hellblau-weiß fein gestreiften Business-Hemd. Das Hemd ist am Kragen offen geknöpft, was den professionellen, aber nahbaren Look unterstreicht.
Hintergrund und Komposition: Der Mann ist im Halbprofil dargestellt und leicht nach rechts versetzt positioniert. Der Hintergrund zeigt eine helle, unscharfe Büroarchitektur mit Fensterfronten und dunklen Rahmen (Bokeh-Effekt). Das Licht fällt weich von vorne links ein und leuchtet sein Gesicht gleichmäßig aus.

Die Einführung von dynamischen Netzentgelten in dieser Form sehen wir skeptisch.

Marian Hofer

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Referent Nationales Regulierungsmanagement bei Amprion

Workshops gehen weiter

Weitere Workshops stehen an. Auch deren Themen haben es in sich: Speichernetzentgelte, Beteiligung von Einspeisern und Kostenwälzung. „Amprion wird sich auch hier für niedrige und sachgerecht verteilte Netzentgelte einsetzen“, sagt Marco Stoltefuß. Ende 2026 soll der Festlegungszeitraum beginnen, am 31. Dezember 2028 tritt die StromNEV außer Kraft. Einen Tag später soll das AgNes-Verfahren erstmals angewendet werden.