​​Netzanschlüsse: Reifegradverfahren kommt​

Energiewirtschaft
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Das Foto zeigt eine Vortragssituation an einem modernen Messestand von Amprion, bei der ein größeres Publikum einem Referenten zuhört.
Vortragende und Bühne: Im Mittelpunkt unter einer grauen Überdachung mit der Aufschrift „FORUM“ steht ein Mann in einem dunkelblauen Anzug. Er hält ein Mikrofon an den Mund und spricht zu den Zuschauern. Rechts neben ihm steht ein weiterer Mann in einem blauen Sakko und blickt aufmerksam zum Sprecher.
Präsentationsinhalt: Hinter den beiden Männern ist ein großer Monitor an der Wand montiert. Die gezeigte Folie trägt die Überschrift „BATTERIESPEICHER BEI AMPRION – KNAPPHEIT IM NETZ“. Zu sehen sind Fotos von großen Batteriecontainern sowie ein Säulendiagramm mit einer ansteigenden blauen Linie, das ein deutliches Wachstum visualisiert.
Publikum: Im Bildvordergrund und links sind zahlreiche Zuschauer von hinten oder von der Seite zu sehen. Sie stehen oder sitzen konzentriert vor dem offenen Standbereich. Die Gruppe ist überwiegend männlich und in Business- oder Business-Casual-Kleidung gekleidet. Ein Mann im Vordergrund trägt einen Rucksack mit auffälligen orangefarbenen Akzenten.
Messestand: Das Design des Standes ist in Grau, Blau und Magenta gehalten. Im Hintergrund links ist eine blaue Säule mit der Aufschrift „MANAGEMENT“ und eine magenta-farbene Säule mit der Aufschrift „PROCUREMENT“ zu erkennen. Die Beleuchtung ist hell und professionell durch Deckenspots gelöst.
​​Amprion und die anderen Übertragungsnetzbetreiber werden Anfragen für Netzanschlüsse von Speichern und Großverbrauchern ab 1. April 2026 nach festen Kriterien bewerten und bei Überzeichnung Projekte priorisieren, die am weitesten entwickelt sind.​

Anträge werden künftig nicht einzeln, sondern in festen Zyklen gesammelt und gemeinsam bewertet. Dabei stehen messbare und transparente Kriterien im Mittelpunkt. „Zunächst wird geprüft, ob der Antrag überhaupt zulässig ist”, sagt Dr. Thorsten Schlüter, Leiter Generation & Storage bei Amprion. Dafür wird es Mindestanforderungen in drei Kategorien geben: Flächensicherung und Genehmigungsstand, technisches Anlagen- und Anschlusskonzept sowie wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Antragsstellers.

Vorfahrt für Projekte mit hoher Realisierungswahrscheinlichkeit

Übersteigt die Anzahl der eingereichten Projekte die verfügbaren Kapazitäten, so werden die am weitesten entwickelten und somit „reifsten“ Projekte zuerst ausgewählt und erhalten ein Angebot für einen Netzanschluss. „Diese Priorisierung von Projekten, die eine hohe Realisierungswahrscheinlichkeit haben, ist entscheidend”, sagt Schlüter. „So können wir die bestehende und zukünftige Netzinfrastruktur optimal nutzen.” Auch der Netz-und Systemnutzen der anzuschließenden Anlagen fließt in die Bewertung ein. „Die Netzkunden und wir Übertragungsnetzbetreiber haben dasselbe Ziel: Wir alle wollen ernsthafte Projekte schnellstmöglich ans Netz bringen“, so Schlüter. „Das neue Reifegradverfahren ist dafür sehr gut geeignet.“

Das Foto zeigt einen Mann mittleren Alters während eines Vortrags auf einer Messe oder Fachkonferenz.
Person und Aktion: Der Mann ist in einer dynamischen Halbprofil-Ansicht von der Seite zu sehen. Er hält ein schwarzes Funkmikrofon nah an seinen Mund und blickt konzentriert auf einen großen Bildschirm rechts von ihm. Mit seinem ausgestreckten linken Arm zeigt er mit dem Zeigefinger auf ein Detail einer Grafik auf dem Monitor. In derselben Hand hält er zusätzlich einen kleinen gelb-schwarzen Presenter.
Kleidung: Er trägt ein dunkelblaues Sakko über einem weißen Hemd ohne Krawatte. Um den Hals trägt er ein blaues Schlüsselband (Lanyard) mit dem weißen Logo von Amprion.
Bildschirm und Präsentation: Auf dem großen, hellen Monitor ist ein technisches Diagramm zu erkennen, das blaue Balken (Säulendiagramm) und eine ansteigende blaue Linie (Trendlinie) zeigt. Die Grafik illustriert offensichtlich eine positive Entwicklung oder ein Wachstum.
Hintergrund: Der Hintergrund ist in den Firmenfarben Blau und Weiß gestaltet. Links im unscharfen Hintergrund ist ein weiterer Mann in ähnlicher Geschäftskleidung zu sehen. Die Atmosphäre wirkt professionell, informativ und engagiert.

Netzkunden und Übertragungsnetzbetreiber haben dasselbe Ziel: Wir wollen ernsthafte Projekte schnellstmöglich ans Netz bringen.

Dr. Thorsten Schlüter

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Leiter Generation & Storage bei Amprion

Bewertung anhand eines Punktesystems

Im Rahmen des neuen Verfahrens werden Anschlussanfragen anhand eines Punktesystems bewertet. Da das Verfahren bei allen Übertragungsnetzbetreibern (ÜNB) einheitlich angewandt werden soll, ist sichergestellt, dass Antragsteller in allen Regelzonen gleichbehandelt werden.

Das Porträtfoto zeigt einen jungen Mann in einer belebten, modernen Messe- oder Konferenzumgebung.
Person und Erscheinung: Der Mann blickt mit einem breiten, freundlichen Lächeln direkt in die Kamera. Er hat kurzes, dunkelbraunes Haar und trägt eine modische Brille mit dunklem, rechteckigem Rahmen.
Kleidung: Er ist professionell gekleidet mit einem dunkelblauen Sakko über einem weißen Hemd. Um den Hals trägt er ein hellblaues Schlüsselband (Lanyard), auf dem das weiße Logo von Amprion erkennbar ist.
Hintergrund und Komposition: Der Hintergrund zeigt eine unscharfe Messehalle mit hellen Lichtern, Bildschirmen und anderen Personen (Bokeh-Effekt). Dies stellt den Mann klar in den Mittelpunkt und vermittelt eine geschäftige, professionelle Atmosphäre. Das Licht ist hell und freundlich, was sein Gesicht gut ausleuchtet.

Das Verfahren wird so transparent sein, dass Antragsteller schon vorher ungefähr wissen, auf wie viele Punkte sie kommen.

Marius Hombücher

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Betreuer für Industriekunden bei Amprion

Abschied vom Windhundprinzip

Das Reifegradverfahren löst das bisherige Windhundprinzip ab, bei dem Anträge für Netzanschlüsse einzig nach dem Zeitpunkt der Einreichung chronologisch bearbeitet werden („first come, first served“). Das Windhundprinzip verlor in den vergangenen zwei Jahren angesichts der Flut an Anträgen die ursprüngliche Steuerungswirkung, da die verfügbaren Netzanschlusskapazitäten sowie den im Rahmen der Netzentwicklungsplanung ermittelten Bedarf bei Weitem übersteigen. Neu hinzukommende Antragsteller hatten so kaum eine Chance, zeitnah angeschlossen zu werden – auch wenn ihre Projekte mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit zu realisieren sind.

Info

Reifegradverfahren

Die Priorisierung von Netzanschlussanfragen für Speicher und Großverbraucher erfolgt nach Projektreife. Das neue Verfahren startet ab 1. April 2026 mit einer ersten Informations- und Antragsphase. Zu Großverbrauchern zählen auch Rechenzentren und Elektrolyseure.

Das Konzept der ÜNB enthält eine ausführliche Beschreibung des Verfahrens. Es findet sich auf  Netztransparenz.de

Das Bild zeigt ein Icon eines Computermonitors, in dem sich ein Strommast befindet, der das Stromnetzwerk oder Energiemanagement symbolisiert.

KraftNAV-Änderung machte den Weg frei

Den Weg für das Reifegradverfahren hat die Bundesregierung freigemacht, indem sie im Dezember 2025 deutlich machte, dass Batteriespeicher ab 100 Megawatt Leistung nicht länger nach der Kraftwerksnetzanschlussverordnung (KraftNAV) ans Stromnetz anzuschließen sind. Mit der KraftNAV geht die Antragsbearbeitung nach Windhundprinzip einher. „Damit hat der Gesetzgeber unsere Praxis bestätigt und ist der Forderung der ÜNB nach einer Klarstellung nachgekommen”, sagt Stephan Morgenschweis, Leiter Customer Management bei Amprion.

Amprion hat die KraftNAV seit jeher nicht auf Batteriespeicher angewendet. Die KraftNAV sei nach der Verordnungsbegründung von 2007 für zehn Anschlussbegehren pro Jahr in ganz Deutschland ausgelegt, also für zwei bis drei Fälle pro ÜNB. Sie sei nie gedacht gewesen für die mehreren hundert Batteriespeicher-Anschlussanfragen, mit denen es die ÜNB aktuell zu tun haben.