Wie Batteriespeicher das Energiesystem verändern
Der Jahresbeginn ist ein guter Moment zum Innehalten. Wo steht die Energiewende gerade?
Dr. Christoph Müller: Menschen neigen dazu, die Herausforderungen der eigenen Zeit als besonders groß wahrzunehmen. Unsere Branchen-Vorväter und -mütter werden dieses Gefühl gehabt haben, als sie in den 1960er Jahren das unglaubliche Wachstum der Stromnachfrage stemmten, in den 1970ern die Ölpreiskrisen bewältigten und in den 1990ern die stromwirtschaftliche Wiedervereinigung umgesetzt haben. Auch wir sind in der Energiewende einiges an Wandel gewohnt. Aber es kommt nach meinem Eindruck noch einmal eine deutliche Veränderung auf die Stromwirtschaft zu. Sie hängt mit dem Boom der Batteriespeicher zusammen. Dadurch ist in unserem Geschäft einiges ins Rutschen gekommen.
wurden laut BDEW bis November 2025 beantragt
Reifegradverfahren
Die Übertragungsnetzbetreiber führen ein neues Verfahren für die Bereitstellung von Netzanschlüssen ein. Anträge auf Anschluss an das Höchstspannungsnetz für Großbatteriespeicher und Großverbraucher werden künftig anhand einer Reihe nachprüfbarer Kriterien und ihrer Realisierungswahrscheinlichkeit bewertet. Dieses „Reifegradverfahren“ löst das Windhundprinzip ab, bei dem Netzanschlussanträge einzig nach dem Zeitpunkt der Einreichung chronologisch bearbeitet wurden. Das Reifegradverfahren startet ab dem 1. April 2026 mit einer ersten Informations- und Antragsphase.
Die entscheidende Frage der Energiewende lautet: Wie bauen wir ein neues Betriebssystem, in dem Batteriespeicher mit mehreren hundert Gigawatt arbeiten?
Dr. Christoph Müller
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Geschäftsführung
Central Dispatch
Im heutigen Strommarkt führen ungenaue Prognosen von Wind- und Solarstrom sowie sehr kurzfristige Handelsentscheidungen zu Unsicherheiten und Engpässen im Stromnetz. Amprion schlägt einen partiellen Central Dispatch vor. Das Konzept trennt die Vermarktungsentscheidung auf Bilanzkreisebene von der physikalischen Dispatch-Ebene. Dadurch werden Unsicherheiten im Netzbetrieb verringert. Anlagen, die aufgrund von Netzengpässen abgeregelt werden müssten, speisen erst gar nicht ein. Das Konzept bietet hohe Kosteneffizienz im Redispatch.