Sturmtief Sabine

Stürmische Zeiten – sicheres Netz

Der Sturm „Sabine“ hat gezeigt: Das Übertragungsnetz von Amprion ist in einem robusten Zustand. Allerdings forderte die stark schwankende Stromeinspeisung aus Windkraftanlagen die Systemführung heraus.

Keine größeren Schäden an Höchstspannungsleitungen und Masten, das Netz ist robust – so lautet die Amprion-Bilanz nach Sturmtief „Sabine“. In der Systemführung gingen nur wenige Alarme ein – insbesondere wegen der intensiven Trassenpflege der letzten Jahre. Sie verhindert, dass umstürzende Bäume oder andere Gegenstände Leitungen beschädigen können.

Alle Alarme konnten schnell behoben und die Stromleitungen wiedereingeschaltet werden. So riss am Montagvormittag (10.2.) im Duisburger Süden das sogenannte Erdseil einer Höchstspannungsleitung und fiel in den Rhein. Die Wasserschutzpolizei sperrte den Bereich kurzfristig für die Schifffahrt. Da das Stahlkabel – es dient dem Blitzschutz – jedoch keinen Strom führte, konnte es ohne größere Eingriffe ins Netz geborgen werden. Insgesamt war die Stromversorgung zu keinem Zeitpunkt gefährdet.


Abschaltung von Windrädern führt zu Schwankungen im Netz


Auszug aus den Netzkennzahlen der Amprion GmbH // Quelle: Amprion

Neben dem Netz hat die Amprion-Systemführung auch stets die Systembilanz im Übertragungsnetz im Blick: Erzeugung und Verbrauch müssen sich jederzeit im Gleichgewicht befinden. Nur dann arbeitet das Stromsystem stabil und zuverlässig. Sowohl am Sonntag (9.2.) als auch am frühen Montag und Dienstag speisten Windkraftanlagen wegen des Sturms extrem viel Leistung in das deutsche Übertragungsnetz. In der Spitze lag der Wert in Deutschland am Dienstag (11.2.) bei rund 44 Gigawatt. Die hohe Windeinspeisung hält nach wie vor an. Die Herausforderung: Die Windkraftanlagen speisten die Leistung nicht gleichmäßig, sondern stark schwankend ein.

Der Grund für diese starken Schwankungen: Windkraftanlagen werden bei starken Stürmen abgeschaltet, um Schäden an den Anlagen zu verhindern. Darüber hinaus können Windräder auch kurzfristig vom Netz gehen, wenn mehr Windstrom produziert wird als genutzt werden kann. Bei einem Überangebot fallen die Preise an den Strombörsen, sodass es für die Betreiber nicht rentabel ist, die Anlagen weiter laufen zu lassen. Solche wetter- und marktbedingten Abschaltungen haben dazu geführt, dass während des Sturms in Deutschland die Windeinspeisung bis zu 10 Gigawatt unter dem eigentlichen Winddargebot lag.

Eine Herausforderung: Spannung im Netz halten

Durch die stark schwankende Windeinspeisung kam es zu schnell wechselnden Belastungssituationen und damit volatilen Spannungen im Übertragungsnetz. Die verantwortlichen Systemführer in Brauweiler haben gegengesteuert: Neben den wenigen verbleibenden konventionellen Kraftwerken am Netz haben sie Blindleistungs-Kompensationsanlagen eingesetzt, um die Spannung stabil zu halten.

Darüber hinaus hat Amprion eine besondere Verantwortung: Die Systemführung in Brauweiler koordiniert sowohl den Stromaustausch im deutschen als auch im europäischen Verbundnetz und überwacht die Netzfrequenz. Hier blieb der Regelbedarf wegen des Sturms jedoch in einem moderaten Bereich. Es kam zu keinem größeren Ungleichgewicht. Die Frequenz des europäischen Verbundnetzes konnte stabil gehalten werden.

Die Werkzeuge der Systemführung haben in den vergangenen Tagen gegriffen und es ermöglicht, dass die Schaltingenieure der Hauptschaltleitung Brauweiler die Situation jederzeit im Griff hatten. Gleichwohl hat auch dieser Sturm künftige Herausforderungen verdeutlicht: Das Stromsystem wird in solchen Situationen immer schwieriger zu führen sein. Da immer mehr konventionelle Kraftwerke vom Netz gehen, sind neue technische Anlagen zur Blindleistungs-Kompensation notwendiger denn je. Amprion errichtet daher bereits seit Jahren an den geeigneten Stellen solche Anlagen. Zudem müssen auch zukünftig ausreichend flexible Erzeugungseinheiten zur Regelung der Leistung verfügbar sein.