Amprion beginnt im Mai mit Seekabelverlegung im Bereich Norderney
Amprion beginnt ab Anfang Mai mit den Vorbereitungen für die Seekabelverlegung für DolWin4. Zunächst wird die Baustelle eingerichtet, anschließend werden die Kabel am Oase-Strand und im Nearshore-Bereich installiert. Dabei kann es zu temporären Beeinträchtigungen im Strandbereich kommen.
Für die Offshore-Netzanbindung DolWin4 verlegt Amprion Kabel in der Ausschließlichen Wirtschaftszone, im Küstenmeer sowie an Land zwischen der Küste und Lingen. Im Bereich des Wattenmeers sowie nördlich von Norderney findet in den kommenden Monaten die Seekabelverlegung statt. Nun beginnen die ersten Maßnahmen auf der Insel. Zunächst steht die Kabelinstallation am Oase-Strand im Norden der Insel sowie im Nearshore-Bereich vor der Insel an.
Ab Anfang Mai wird das von Amprion mit der Kabelherstellung und -verlegung beauftragte Unternehmen Prysmian mit der Einrichtung der Baustellen auf der Insel beginnen. Voraussetzung hierzu war die behördliche Genehmigung eines vorzeitigen Baubeginns unter strengen naturschutzfachlichen Auflagen. Diese Genehmigung wurde in den vergangenen Tagen erteilt. Die eigentliche Kabelverlegung am Strand wird voraussichtlich ab Ende Mai/Anfang Juni erfolgen.
Kabelverlegebarge „Barbarossa I“ fällt am Strand trocken
Die Kabel werden vom Kabelverlegeschiff „Prysmian Marco Polo“ bis einige hundert Meter vor den Oase-Strand transportiert und dort auf die flachgängige Verlegebarge „Barbarossa I“ umgespult. Diese bewegt sich entlang der geplanten Kabeltrasse Richtung Insel und fällt am Strand nordöstlich der Strandsauna trocken. Bei der Ankunft am Strand werden Ankerseile an die zuvor ausgebrachten Anker gespannt und der Bereich wird für wenige Tage abgesperrt. Die Kabel werden anschließend von der Barbarossa I abgespult und in einer Schlaufe in westliche und südliche Richtung auf dem Strand ausgelegt. Auch der Bereich der ausgelegten Kabel wird zeitweise abgesperrt. Nachdem die Kabel mit Seilwinden von der Inselmitte in die vorinstallierten Kabelschutzrohre eingezogen wurden, bringen Bagger beziehungsweise Spülbagger sie am Strand und im Brandungsbereich in den Boden ein. Dabei kommt es ebenfalls zeitweise zu Sperrungen des Arbeitsbereiches. Der Abschluss der Arbeiten am Strand ist für Anfang Juli vorgesehen.
Amprion-Projektsprecher Stefan Sennekamp hebt die positive Bedeutung des vorzeitigen Baubeginns hervor: „Die Arbeiten am Strand sind mit Einschränkungen für die Badegäste verbunden. Wir stehen deshalb bereits seit einiger Zeit in gutem Austausch mit dem Staatsbad Norderney. Der vorzeitige Baubeginn ist eine gute Nachricht für den Tourismus auf der Insel: Wir können so einen Großteil der Einschränkungen aus der Hauptferienzeit im Juli und August heraushalten.“ Im Rahmen der Genehmigung hat Amprion zusammen mit der Nationalparkverwaltung unter anderem Strandinseln als Rückzugsraum für bodenbrütende Vogelarten eingerichtet. Die eingezäunten Bereiche werden dauerhaft von einem Ornithologen überwacht. „So können wir sicherstellen, dass der Eingriff in die Natur auf ein Minimum reduziert wird“, sagt Stefan Sennekamp.
Arbeiten im Wattfahrwasser Riffgat im Anschluss geplant
Nachdem die Arbeiten am Strand abgeschlossen sind, wird die Verlegebarge Barbarossa I sich in den Wattbereich zwischen Insel und Küste begeben, um die Wattkabel für BorWin4 zu installieren. Voraussichtlich für Anfang Juli ist der sogenannte Pre-Lay-Run im Wattfahrwasser Riffgat vorgesehen. Dabei wird die Seekabeltrasse für die Kabelverlegung vorbereitet. Erst nach dem Pre-Lay-Run folgt die eigentliche Wattkabelverlegung. Mit diesen Arbeiten ist voraussichtlich ab Mitte August zu rechnen. „Wir befinden uns hier derzeit in den finalen Abstimmungen. Die Arbeiten sind von sehr vielen Faktoren wie beispielsweise dem Wetter und der Tide abhängig. Deshalb sind die genauen Zeiträume nur unter Vorbehalt zu verstehen. Sobald sich die Planungen verfestigen, werden wir die genauen Zeiträume und die Dauer kommunizieren. Hierzu stehen wir im Austausch mit den örtlichen Segelvereinen und Häfen – insbesondere mit Blick auf die Einschränkungen für die Schifffahrt“, sagt Stefan Sennekamp.
Horizontalbohrungen für BalWin1 und BalWin2 im August
Zu guter Letzt wird Amprion für die beiden Offshore-Leitungen BalWin1 und BalWin2 sechsmal von der Inselmitte zum Oase-Strand bohren. In die Bohrkanäle werden Schutzrohre für die Stromkabel eingezogen. Ab Mitte Juli wird Amprion mit der Einrichtung der Baustellenfläche „Am Leuchtturm“ beginnen. Die Horizontalbohrungen starten voraussichtlich Anfang August. Dafür werden 550 Meter lange Rohrstränge am Westdeich verschweißt, in mehreren Etappen über den Seeweg zum Oase-Strand geschleppt und dort vorübergehend vor und östlich der Strandsauna bis zum jeweiligen Rohreinzug zwischengelagert. Im vergangenen Jahr hat Amprion die Bohrungen von der Inselmitte ins Watt südlich der Insel durchgeführt.
Die Offshore-Netzanbindungssysteme DolWin4 und BorWin4
Die weitestgehend parallel verlaufenden Offshore-Netzanbindungssysteme DolWin4 und BorWin4 gehören zu den wichtigen Energiewende-Projekten in Deutschland. Sie sollen 2028 in Betrieb gehen. Von den Nordsee-Windparks aus verlaufen die Kabel zunächst 60 bzw. 125 Kilometer auf See. Sie unterqueren die Insel Norderney und erreichen im Bereich Hilgenriedersiel die Küste. Von dort aus verlaufen sie noch rund 155 Kilometer als Erdkabel in Richtung der Umspannanlage Hanekenfähr in Lingen (Ems), wo Amprion sie an sein Übertragungsnetz anschließen wird. Dort ging im April 2023 das Kernkraftwerk Emsland vom Netz. DolWin4 und BorWin4 stellen sicher, dass die entfallene Erzeugungskapazität durch 1,8 GW Offshore-Windenergie ersetzt wird.
Die Offshore-Netzanbindungssysteme BalWin1 und BalWin2
Die beiden geplanten Offshore-Netzanbindungssysteme BalWin1 und BalWin2 verbinden Windparks in der Nordsee mit dem Übertragungsnetz an Land. Sie werden sowohl auf der Land- als auch auf der Seeseite größtenteils parallel zueinander installiert. Beide Projekte können jeweils eine Leistung von 2.000 Megawatt übertragen. Das entspricht zusammen dem Bedarf von etwa 4 Millionen Menschen. Sie sollen 2030 und 2031 in Betrieb genommen werden. Von den Nordsee-Windparks aus verlaufen die Kabel zunächst 155 bzw. 165 Kilometer auf See. Sie unterqueren die Insel Norderney und erreichen im Bereich Hilgenriedersiel die Küste. Auf dem landseitigen Teil von BalWin1 und BalWin2 werden etwa 205 bzw. 215 Kilometer Erdkabel verlegt. Um zu ihren jeweiligen Netzverknüpfungspunkten in Wehrendorf (BalWin1) und Westerkappeln (BalWin2) zu gelangen, werden sich die Vorhaben auf dem letzten Teil der Strecke trennen.