Genehmigung für Höchstspannungsleitung zwischen Hessen und Bayern
Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat Mitte Februar 2026 eine Genehmigung vom Regierungspräsidium Darmstadterhalten. Damit ist der gesamte Weg frei für die Verstärkung der bestehenden Höchstspannungsfreileitung zwischen den Umspannanlagen Urberach in Rödermark, Dettingen und Großkrotzenburg durch leistungsstärkere Leiterseile.
Der erteilte Zulassungsbescheid des Regierungspräsidiums Darmstadt betrifft nur noch einen kurzen Abschnitt von 1,6 Kilometern in der Gemeinde Hainburg der insgesamt 24 Kilometer langen Leitung. Hier macht die Auflage von speziellen Leiterseilen,die später den Strom transportieren, die Erhöhung von zwei Masten erforderlich. Auf den übrigen 22 Kilometern genügt ein immissionsschutzrechtlicher Nachweis gegenüber der Immissionsschutzbehörde sowie Einzelgenehmigungen bei den zuständigen Fachbehörden.
Seiltausch für höhere Übertragungsleistung
Durch einen Seiltausch an den Freileitungsmasten kann eine höhere Übertragungsleistung erreicht werden. Dabei werden die bestehenden Leiterseile am Mast durch leistungsstärkere Seile, sogenannte Hochtemperaturleiterseile, ausgetauscht. Diese können mehr Strom als herkömmliche Aluminium-Stahl-Leiterseile transportieren, da sie dank eines neuen Materialaufbaus auf höhere Temperaturen ausgelegt sind und dadurch weniger durchhängen. Das ist wichtig, um den vorgegebenen Abstand zum Boden einzuhalten. Die Spannung von 380 Kilovolt (kV) bleibt gleich. Die Maßnahme ist dringend erforderlich, da der Bedarf an elektrischer Leistung in der Rhein-Main-Region wächst.
Zusätzlicher Stromkreis der Westnetz
Neben dem Leiterseiltausch zwischen den Umspannanlagen Urberach und Dettingen plant der Verteilnetzbetreiber Westnetz einen zusätzlichen Stromkreis mit 110 kV auf einem bislang freien Platz auf der unteren Traverse des Mastes aufzulegen. Das Verfahren liegt ebenfalls in der Zuständigkeit des Regierungspräsidiums Darmstadt.
Individuelle Abstimmung
„Die einzelnen Maßnahmen an den insgesamt 63 Masten werden wir bei den betroffenen Grundstückseigentümer*innen und Pächter*innen rechtzeitig ankündigen und individuell abstimmen. Zudem werden wir sie über eine Pressemitteilung bekannt geben“, erklärt Janina Heidl, Projektsprecherin bei Amprion. „Das wird aber voraussichtlich erst 2027 der Fall sein, da es vorher kein passendes Zeitfenster gibt, zudem die Leitungen freigeschaltet werden können, um sicher an ihnen arbeiten zu können.“
Über das Vorhaben
Das Projekt Urberach – Dettingen – Großkrotzenburg ist als Vorhaben Nr. 66 im Bundesbedarfsplangesetz verankert und ist Bestandteil des Netzentwicklungsplans (NEP) 2035. Amprion hatte zunächst 2022 beim Regierungspräsidium Darmstadt ein Planfeststellungsverfahren für die geplante Auflage der Hochtemperaturleiterseile angestrebt. Dieses wurde auf Grundlage einer umfangreichen Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes nicht fortgeführt. Die Gesetzesänderung ist zum Jahreswechsel 2023/2024 in Kraftgetreten. Danach reduziert sich der Genehmigungsaufwand für die Auflage der leistungsstärkeren Leiterseile. Der Abschnitt auf dem Gebiet der Gemeinde Hainburg bleibt aufgrund der beiden Masterhöhungen zulassungspflichtig.
„2029 planen wir mit einem Abschluss der Baumaßnahmen und einer vollständigen Inbetriebnahme“, so Janina Heidl weiter.