Resiliente Strominfrastruktur stärken

Resilienz und Sicherheit der Stromnetzinfrastruktur in einer verschärften Bedrohungslage

Die Sicherheitslage für Kritische Infrastrukturen hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Staatliche Akteure, Cybergruppierungen, extremistische Netzwerke und sogenannte Hacktivisten richten ihren Fokus dabei zunehmend auf die Energieinfrastruktur – und damit auf die Sicherheit unserer Energieversorgung. Wir müssen diese Bedrohungslage ernst nehmen.

Hinweise der Sicherheitsbehörden wie beispielsweise vom Bundesamt für Verfassungsschutz machen deutlich: Das Spektrum der hybriden Bedrohungen reicht von Spionage und Cyberangriffen bis hin zu physischer Sabotage und Anschlägen. Für einen Übertragungsnetzbetreiber wie Amprion bedeutet das: Resilienz und Sicherheit sind nicht nur technische Anforderungen, sondern strategische Aufgaben von höchster Priorität.

Resilienz umfasst für uns den wirksamen Schutz unserer Anlagen, etwa durch bessere Überwachungs- und Sicherungsmöglichkeiten, um Sabotage und Ausspähversuche frühzeitig zu erkennen. Ebenso wichtig ist die Anpassungsfähigkeit des Systems, damit wir auch unter außergewöhnlichen Bedingungen handlungsfähig bleiben – durch flexible Betriebsprozesse, ausfallfeste Kommunikationswege und alternative Schaltoptionen. Wiederherstellungsfähigkeit schließlich setzt voraus, dass Reparaturen und der Einsatz von Ersatzanlagen nicht durch langwierige Genehmigungsverfahren verzögert werden. Denn eine hundertprozentige Sicherheit wird es trotz aller Härtungsmaßnahmen nie geben – eine schnelle Wiederherstellung der Stromversorgung ist für den Fall der Fälle also besonders wichtig. Diese Anforderungen zeigen, dass Resilienz nicht allein technisch zu lösen ist, sondern politische Anpassungen erfordert.

Auch historisch gewachsene Regelungen gehören auf den Prüfstand, um sie an die heutige Sicherheitslage anzupassen. Transparenzpflichten oder umfangreiche Öffentlichkeitsbeteiligungen können heute unbeabsichtigt Angriffsflächen schaffen, indem sensible Informationen über das Stromnetz in falsche Hände geraten. Deshalb setzen wir uns für eine ausgewogene Balance zwischen berechtigten Informationsrechten und dem Schutz sicherheitsrelevanter Details ein.

Die Bundesregierung wird in dieser Legislaturperiode den regulatorischen Rahmen an die Gegebenheiten anpassen und Mindeststandards, Meldewege und Zuständigkeiten weiter konkretisieren. Für uns als Betreiber kritischer Infrastruktur ist entscheidend, dass diese Regelungen praxistauglich ausgestaltet werden und verlässliche Vorgaben schaffen, die Sicherheit und Handlungsfähigkeit gleichermaßen stärken.

Resilienz muss zudem systematisch in der Netzplanung verankert werden. Geo-Redundanzen und robuste Planungsreserven erhöhen die Sicherheit des Systems und sind eine notwendige Antwort auf neue Bedrohungslagen und die steigende Komplexität des Energiesystems. Eine resilienzorientierte Weiterentwicklung des Netzentwicklungsplans ist hierfür ein zentraler Baustein und wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Gleichzeitig ist klar, dass zusätzliche Resilienzmaßnahmen Investitionen erfordern, auch in einem Umfeld, das zunehmend kostensensibel ist. Umso wichtiger ist ein regulatorischer Rahmen, der sicherheitsrelevante Mehraufwände anerkennt und ermöglicht.

Unsere Politikteams in Brüssel, Berlin und in den Bundesländern begleiten diese Themen kontinuierlich im politischen Raum, denn das Handlungsfeld Resilienz berührt die Zuständigkeitsbereiche über die verschiedenen Ebenen. Wir bringen dadurch technische Expertise und Systemwissen in Gesetzgebungsprozesse auf EU-, Bundes- und Länderebene ein, suchen den Austausch mit Behörden und Parlamenten und arbeiten daran, dass die Strominfrastruktur in Deutschland auch künftig zuverlässig, widerstandsfähig und sicher bleibt. Die Bedrohungslage mag sich verändern – unser Anspruch bleibt: Resilienz als gemeinsame Aufgabe verantwortungsvoll mitzugestalten.