Amprion plant den Bau und Betrieb einer neuen Anlage in der Nähe der bestehenden Schalt- und Umspannlage Gütersloh im Stadtteil Blankenhagen. Die Anlage wird zukünftig einen entscheidenden Beitrag zur weiteren Integration der erneuerbaren Energien in das Übertragungsnetz leisten.
Gesetzliche Grundlagen
Netzentwicklungsplan (NEP)
Der Netzentwicklungsplan Strom beschreibt, wo das deutsche Höchstspannungsnetz ausgebaut oder verstärkt werden muss. Er wird von den vier deutschen Übertragungsnetzbetreibern erarbeitet und durch die Bundesnetzagentur fachlich geprüft.
Damit die Energiewende gelingt, bauen wir unser Netz aus und um. Ziel ist ein „atmendes“ System, welches die schwankenden Einspeisungen aus erneuerbaren Energien ausbalancieren kann.
Um dieses System zu realisieren, benötigen wir an verschiedenen Punkten in unserem Höchstspannungsnetz Anlagen, mit denen wir den Lastfluss gezielt steuern können. Berechnungen der Lastflüsse haben ergeben, dass der Bau einer Anlage in Ostwestfalen besonders zielführend ist, um unser nördliches Übertragungsnetz optimal auszulasten und die Versorgung der wirtschaftsstarken Region Ostwestfalen-Lippe zu gewährleisten.
So wurde der Standort ausgewählt
Amprion hat bereits früh im Projekt nach geeigneten Standorten für die neue Anlage Ostwestfalen gesucht. Ziel war es, einen Standort zu finden, an dem die Anlage technisch sinnvoll an das bestehende Stromnetz angebunden werden kann und zugleich möglichst wenige Konflikte entstehen. Mögliche Alternativen wurden geprüft; außerdem wurden erste Gespräche mit Grundstückseigentümer*innen geführt – bei der Anlage Ostwestfalen bereits seit der ersten öffentlichen Informationsveranstaltung im Jahr 2023.
Bei der Standortsuche müssen viele unterschiedliche Anforderungen berücksichtigt werden. Dazu gehören rechtliche Vorgaben ebenso wie öffentliche und private Belange. Wichtig ist dabei eine sorgfältige Abwägung: Schutzwürdige Belange – etwa eine sensible Raumstruktur, vorhandene Wohnbebauung oder Umweltaspekte – müssen mit den technischen Anforderungen des Stromnetzes in Einklang gebracht werden. Dazu zählt insbesondere die Frage, wie die neue Anlage an das bestehende Netz angebunden werden kann.
Auch praktische Fragen spielen eine Rolle: Ist die Fläche geeignet und verfügbar? Wie ist sie über Straßen oder Schienen erreichbar? Und welche Eigenschaften bringt das Grundstück mit? Erst aus der gemeinsamen Betrachtung dieser Faktoren ergibt sich, ob ein Standort für die weitere Planung geeignet ist.
Standort Blankenhagen
Aus Sicht von Amprion sprechen mehrere Gründe für den Standort Blankenhagen. Bei der Bewertung wurden insbesondere die tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort, netztechnische Anforderungen sowie umweltfachliche und rechtliche Aspekte berücksichtigt. Maßgeblich sind unter anderem die folgenden Punkte:
Netztechnisch ist der Standort besonders geeignet, denn dort können sowohl der Nord-Süd-Lastfluss über die Leitung Gütersloh–Hesseln als auch der Ost-West-Lastfluss über die Leitung Gütersloh–Bechterdissen gezielt gesteuert werden. Dadurch erhöht sich der Nutzen der neuen Anlage Ostwestfalen für den sicheren Betrieb des Stromnetzes.
Hinzu kommt, dass der Raum bereits heute durch drei bestehende Stromleitungen unterschiedlicher Spannung sowie durch die Schalt- und Umspannanlage Gütersloh technisch geprägt ist. Da die neue Anlage in einem bereits vorgeprägten Bereich geplant wird, fallen zusätzliche Eingriffe in Natur und Landschaft voraussichtlich geringer aus als an einem bislang unbelasteten Standort.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass Amprion die benötigte Fläche eigentumsrechtlich zur Verfügung steht. Dadurch kann die weitere Planung auf einer gesicherten Flächengrundlage erfolgen.
Diese Vorteile wurden gegen die Nachteile abgewogen, insbesondere gegen die vergleichsweise geringe Entfernung der geplanten Anlage zu vorhandener Bebauung. Unter Berücksichtigung aller technischen, umweltfachlichen und rechtlichen Aspekte ist Amprion daher zu dem Ergebnis gekommen, dass der Standort der neuen Anlage Ostwestfalen nahe der bestehenden Schalt- und Umspannanlage Gütersloh am besten geeignet ist.
Technik und Trassenverlauf
Die zu planende Anlage umfasst zwei Phasenschieber, welche jeweils aus einem Erreger- und einem Serientransformator bestehen. Die Phasenschieber sorgen für eine optimierte Netzauslastung und Netzstabilität. Mit ihrer Hilfe lassen sich Lastflüsse gezielt steuern. Dadurch können wir sowohl den Redispatch-Aufwand (Instrumentenkasten der Systemführung) als auch Maßnahmen des Einspeisemanagements erneuerbarer Energien verringern.
Neben den Phasenschiebern werden unter anderem auch Schaltfelder zur Einführung der bestehenden Höchstspannungsleitungen in die Anlage sowie ein Betriebsgebäude zur Unterbringung der notwendigen Schalt- und Steuerungstechnik errichtet.
Die neue Anlage wird auf derzeit noch landwirtschaftlich genutzten Flächen im Winkel zwischen Holler Straße und Blankenhagener Weg im Bereich der bestehenden Stromleitungen geplant und eine Fläche von circa 7,5 Hektar umfassen. Dies entspricht etwa neun Fußballfeldern.
Für die Errichtung und den Betrieb der Anlage wird Amprion voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2026 einen Antrag auf ein vereinfachtes Genehmigungsverfahren nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz beim Kreis Gütersloh stellen.
Die Inbetriebnahme der Anlage Ostwestfalen ist für Anfang der 2030er Jahre vorgesehen.
Information und Kommunikation
Ende Februar 2026 haben wir einen Bürgerinfomarkt vor Ort in Gütersloh angeboten, um auch die Öffentlichkeit ausführlich über das Projekt zu informieren, offene Fragen zu beantworten und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger aufzunehmen.
Neben Informationen zur Standortsuche konnten sich die Besucherinnen und Besucher auch zu den Themen Umwelt, Immissionen, Technik und Bau sowie Planung und Genehmigung der Anlage und der zugehörigen Leitungseinführung bei den Fachkolleg*innen informieren.
Ein besonderes Highlight war zudem die 360°‑Visualisierung, mit der sich die Besucherinnen und Besucher einen Eindruck von dem Standort in Blankenhagen vor und nach dem Bau der neuen Anlage Ostwestfalen sowie ein konkretes Bild der derzeit geplanten Leitungseinführung machen konnten. Die Visualisierung kann auch im Nachgang jederzeit unter Anlage Ostwestfalen - Umsetzung aufgerufen werden.
„Besonders wichtig war uns, bereits beim Bürgerinfomarkt aber auch im Nachgang, Anregungen und Hinweise zu den Themen Begrünung, Nutzung von Fuß- und Radwegen während der Bauphase sowie Lärmschutz durch die Bürgerinnen und Bürger aufzunehmen. Da die Menschen vor Ort ihre Umgebung am besten kennen, sind diese Hinweise für unsere weitere Planung essentiell“ erklärt Michael Weber, Projektsprecher des Vorhabens. „Aktuell prüfen wir daher sowohl Anregungen von Bürgerinnen und Bürgern als auch Hinweise aus der Politik auf ihre Machbarkeit und Umsetzbarkeit“.
Weitere Termine zu den Veranstaltungen werden wir frühzeitig in den lokalen Medien und auch auf unserer Internetseite veröffentlichen.