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Netze verbinden

Die nationalen Netze sind durch grenzüberschreitende Leitungen – sogenannte Interkonnektoren – zu einem europäischen Verbundnetz verknüpft. Diese „Strombrücken“ machen die nationalen Netze nicht nur sicherer, sondern den Strom in Europa insgesamt auch billiger. Muss beispielsweise ein Kraftwerk in Deutschland ungeplant vom Netz gehen, kann ein anderes in der Nachbarregion den benötigten Strom über einen Interkonnektor liefern. Zudem kann der internationale verfügbare Strom durch die grenzüberschreitenden Verbindungen europaweit transportiert und damit bestmöglich genutzt werden. Bereits heute ist das Amprion-Netz mit den Übertragungsnetzen in den Niederlanden, in Luxemburg, in Frankreich, in der Schweiz und in Österreich verbunden. Acht weitere Interkonnektor-Projekte sind geplan.

Netzausbau für die europäische „Energiewende“

Um die von der Europäischen Kommission vorgegebenen Klimaziele zu erreichen, ist ein noch leistungsfähigeres und flexibleres europäisches Transportnetz erforderlich. Dazu planen und bauen die Netzbetreiber zusätzliche Stromverbindungen zwischen den Staaten. Um den Ausbaubedarf für die kommenden zehn Jahre möglichst genau festzulegen, erstellen alle europäischen Übertragungsnetzbetreiber im Rahmen ihrer Zusammenarbeit im Verband der Europäischen Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E) alle zwei Jahre den Ten-Year Network Development Plan (TYNDP). Ihm zugrunde liegen Prognosen, wie sich Stromerzeugung und -verbrauch in Europa entwickeln werden. Neben dem Netzausbaubedarf stellt der TYNDP in gesonderten Berichten unter anderem auch innovative technische Lösungen und spezielle technische Fragestellungen zur Weiterentwicklung des europäischen Übertragungsnetzes vor.

Amprion ist mit acht Interkonnektor-Projekten im TYNDP vertreten: Dazu gehören die deutsch-belgische Strombrücke ALEGrO sowie eine mögliche zweite Erweiterung der Kapazität an dieser Grenze. Die Leitung Niederrhein/Wesel – Doetinchem, die Ende 2018 in Betrieb gehen soll, zählt ebenfalls dazu. Hinzu kommen außerdem die Verstärkung der Verbindung Vigy – Uchtelfangen nach Frankreich und der Verbindung Tiengen – Beznau in die Schweiz sowie die Leitung Vöhringen – Westtirol und die Bodenseeleitungen nach Österreich. Weitere, innerdeutsche Projekte wie Ultranet und A-Nord, die eine besondere Bedeutung für das europäische Stromnetz haben, sind ebenfalls Bestandteil der Planungen.

PCI – Projekte von gemeinsamem Interesse

Gemeinsam mit den Mitgliedsstaaten, den Regulierungsbehörden und Übertragungsnetzbetreibern bestimmt die EU-Kommission Netzausbauprojekte von besonderem europäischen Interesse – die sogenannten „Projects of Common Interest“ (Projekte von gemeinsamem Interesse, PCI). Vorgabe ist, dass sich die Vorhaben in wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Hinsicht positiv auf mindestens zwei Mitgliedstaaten auswirken. PCI sollen unter anderem dabei helfen, das Strom- und Gasnetz so zu ergänzen, dass es die zunehmenden Mengen an Energie aus erneuerbaren Quellen aufnehmen und transportieren kann. Außerdem sollen die Projekte Nachhaltigkeit und Systemsicherheit fördern. Dabei gelten bestimmte Planungs- und Genehmigungsverfahren, die durch eine national zuständige Behörde gesteuert werden.

Die dritte unionsweite PCI-Liste ist von der EU-Kommission im November 2017 veröffentlicht worden. Sie enthält 173 Vorhaben, darunter zehn Netzausbauprojekte in Deutschland. Dazu zählen die von Amprion geplanten Gleichstromverbindungen ALEGrO, Ultranet und eine zweite Verbindung nach Belgien. Die Liste wird alle zwei Jahre aktualisiert. Den gesetzlichen Rahmen bildet die EU-Verordnung Nr. 347/2013 zur Entwicklung transeuropäischer Netze.

ALEGrO

DE = Abschnitt Bundesgrenze - Oberzier
BE = Abschnitt Lixhe - Bundesgrenze

Zweiter Interkonnektor Deutschland - Belgien

e-Highway 2050: Die Zukunft der europäischen Energieversorgung

Ein europäisches Forschungskonsortium hat mit Unterstützung durch die Europäische Kommission das Projekt e-Highway 2050 ins Leben gerufen. Ziel war es, eine langfristige Planungsmethodik für den Aus- und Umbau der europäischen Übertragungsnetze zu entwickeln. Im Fokus der Projektpartner stand das Jahr 2050: Bis dahin könnten Wechsel- und Gleichstromleitungen zu einem leistungsstarken gesamteuropäischen Verbundnetz, das große Mengen Strom aus erneuerbaren Energiequellen aufnehmen sowie über weite Strecken transportieren kann, verwoben werden.

Amprion beteiligte sich gemeinsam mit anderen europäischen Netzbetreibern an der Forschungsarbeit, die wichtige Erkenntnisse lieferte: Alle fünf untersuchten Projekt-Szenarien bestätigten, dass die Netzausbauprojekte in Deutschland sinnvoll und notwendig sind. Zudem zeigte der Blick in das Jahr 2050, dass ein europäisches Verbundnetz, in dem die heutigen Wechselstromverbindungen weiterentwickelt und durch einzelne HGÜ-Verbindungen verstärkt werden, fit für die Herausforderungen der Zukunft ist. Ein weiterer Gewinn: Das Projekt erarbeitete Planungsmethoden zur langfristigen Netzentwicklung, die allen ENTSO-E-Mitgliedern zur Verfügung gestellt und in Teilen bereits im TYNDP genutzt wurden.