Wie acht Angus-Rinder bei der Trassenpflege helfen

Umwelt
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 Eine Herde brauner Rinder grast auf einer trockenen Weide. Im Vordergrund steht ein großes, braunes Rind mit gesenktem Kopf beim Fressen. Im Hintergrund verlaufen Strommasten unter einem leicht bewölkten, blauen Himmel, flankiert von grünen Bäumen.
Amprion setzt bei der Pflege seiner Stromtasse in einer kleinen Ortschaft im Landkreis Konstanz auf vierbeinige Helfer: die Angus-Rinder eines örtlichen Landwirts.

Eine Fläche unterhalb einer Amprion-Höchstspannungsleitung am Übergang zur Schwäbischen Alb wurde jüngst gezielt eingezäunt, um sie für die Beweidung mit acht Angus-Rindern nutzbar zu machen. Damit wird ein neuer Lebensraum für Insekten und Pflanzen geschaffen.

Ein minimalistisches, blaues Strichsymbol zeigt drei Elemente der Energieversorgung: einen Strommast, eine Windkraftanlage und ein Solarpanel. Diese Symbole stehen für erneuerbare Energien und Stromnetzinfrastruktur.
90
Jahre und älter

sind die Masten der Höchstspannungsleitung bei Gallmannsweil.

Fünf Männer stehen im Freien auf einem Schotterweg und führen ein Gespräch. Ein Mann im schwarzen Poloshirt und ein Mann im hellblauen Hemd stehen sich im Vordergrund gegenüber und gestikulieren. Drei weitere Männer stehen etwas weiter hinten auf einer Wiese. Im Hintergrund ragt ein großer Strommast unter blauem Himmel auf.

Amprion-Mitarbeiter Marco Hagmann (2. v. re.) erklärt die Grundsätze der Trassenpflege beim Übertragungsnetzbetreiber.

Mischung aus Scheu und Neugier

So viele Besucher auf einmal kommen nur selten in das Waldstück bei Gallmannsweil, Ortsteil der Gemeinde Mühlingen im Landkreis Konstanz. Die acht jungen Angus-Rinder, die hier auf einer eingezäunten Fläche von einem Hektar stehen, reagieren folglich mit einer Mischung aus Scheu und vorsichtiger Neugier auf die siebenköpfige Gruppe, die sich die Herde und ihren Weidealltag an einem sommerlichen Vormittag ansehen will.

Das Interesse der Gruppe ist kein Zufall. Schließlich ist dies nicht irgendeine Weide - und die Rinder haben auch eine ganz besondere Aufgabe. Hier, ungefähr eine halbe Autostunde vor der Grenze zur Schweiz, verläuft die Leitung mit der Bauleitnummer 4510, eine historische Stromtrasse mit mehr als 90 Jahre alten Masten. Und diese Trasse – wie alle Stromtrassen – will regelmäßig gepflegt werden. Unzureichende Trassenpflege – etwa, weil die damit betrauten Fachkräfte nicht ohne Weiteres Zugang zu den Masten und Leitungen und der Vegetation ringsum haben - kann eine Gefahr für die Versorgungssicherheit darstellen. So geschehen auf dem Balkan im Jahr 2024, als gleich zwei 400-kV-Leitungen an einem Tag in kurzer Folge unabhängig voneinander ausfielen, weil Bäume in die Leitungen gewachsen waren. Es kam zu einem Blackout.

Kahlschlag-Zeiten sind längst vorbei

Trassenpflege ist also das A und O und nicht umsonst in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. „Aber das machen wir nicht irgendwie“, sagt Marco Hagmann von Amprion, der in dieser Gegend für das Thema verantwortlich ist. Früher fand der Naturschutz bei der gesetzlich vorgeschriebenen Trassenfreihaltung wenig Beachtung, etwa wenn Gehölze per Kahlschlag entfernt wurden und so für viele im Wald lebende Arten plötzlich der Wohnraum fehlte.

Zwei Männer im Gespräch im Freien vor einem Waldhintergrund.

Wir bemühen uns, wo immer es möglich ist, um ein ökologisch nachhaltiges Trassenmanagement

Marco Hagmann

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Fachkraft für Trassenpflege am Standort Herbertingen

Aber die Zeiten, in denen man alle paar Jahre die Bäume und Pflanzen entlang der Trasse einfach großflächig mit Maschineneinsatz entfernt hat, sind längst vorbei. „Wo immer es möglich ist, bemühen wir uns heute um ein ökologisch nachhaltiges Trassenmanagement. Und das nun auch schon seit einigen Jahren.“

Rinder sind die idealen Helfer

Und da kommen die Rinder ins Spiel: Die Tiere, die dem örtlichen Landwirt Lukas Traber gehören, sind die idealen vierbeinigen Helfer dafür. Nachdem Amprion mit Motorsäge und Forstmulcher im Winter die groben Vorarbeiten geleistet hatte, wurde der Zaun errichtet und die robuste Rinderrasse kam auf die Fläche.

Zentrum: Ein Mann mittleren Alters mit kurzen, braunen Haaren und einem gepflegten Vollbart blickt lächelnd direkt in die Kamera.Kleidung: Er trägt einen olivgrünen Pullover mit einem leicht geöffneten Reißverschluss am Kragen (Troyer) über einem schwarzen T-Shirt.Hintergrund: Ein modern gestalteter, stark verschwommener Hintergrund (Bokeh-Effekt), der die blaue Glasfassade eines Bürogebäudes andeutet

Die Beweidung mit den Angus-Rindern trägt langfristig zur Artenvielfalt bei.

Leonard Schwarz

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Referent für Artenschutz bei Amprion

Ein schwarzes Rind grast auf einem schmalen Weideweg und läuft auf die Kamera zu. Dahinter folgen einige braune Rinder. Der Weg wird rechts von dichten grünen Büschen flankiert, während im linken Hintergrund eine Reihe hoher Strommasten in die Ferne verläuft. Unscharfe grüne Blätter rahmen das Bild im rechten Vordergrund ein.

Acht genügsame Angus-Rinder stehen unter der Stromtrasse bei Gallmannsweil.

„Durch das Abgrasen der Weide tragen die acht Tiere nun zur Artenvielfalt bei, denn sie halten das Gras kurz”, erklärt Leonard Schwarz, Referent für Artenschutz bei Amprion. Und es ist nicht das Abgrasen alleine: Der Viehtritt beeinflusst die Bodenstruktur, es werden offene Bodenstellen erzeugt und so mosaikartige Lebensräume gestaltet. Durch den so genannten selektiven Verbiss, also das gezielte Auswählen und Fressen bestimmter Pflanzen oder Baumarten, werden zudem nicht alle Blüten auf einmal abgefressen.

„Die Rinder schaffen auf diese Weise Lebensraum für Insekten und Vögel“, erklärt Leonard Schwarz. „Diese extensive Beweidung ist Voraussetzung dafür, dass sich bestimmte Arten ansiedeln und überleben.“

Noch ist von diesen Ansiedlungen freilich nicht viel zu sehen. „Das braucht seine Zeit“, weiß Sven Gebhardt vom Landschaftspflegeverband Konstanz, auf dessen Initiative das Beweidungsprojekt in Gallmannsweil zurückgeht. In der Viernheimer Heide in Südhessen, wo Schafe, Ziegen und Esel unter einer Amprion-Stromtrasse weiden, kann man schon heute eindrucksvoll erleben, welche ökologischen Effekte dies mit den Jahren mit sich bringt. Effizient, kostengünstig und lärmfrei ist diese Art der Trassenpflege zudem.

Beweidungsfläche soll noch größer werden

Die Beweidung im Gallmannsweil startete im Mai. Noch bis September oder Oktober, je nach Witterung, werden die genügsamen Angus-Rinder von Lukas Traber auf der Weide stehen. Das Projekt hat derweil noch nicht die finale Ausbaustufe erreicht: Wenn im kommenden Winter wieder die Trassenpflege-Maßnahmen von Amprion anstehen, sollen die so durchgeführt werden, dass dadurch die Beweidungsfläche noch einmal größer wird.

Ein Mann im schwarzen Poloshirt steht im Profil im Vordergrund und gestikuliert beim Sprechen. Im Hintergrund hört ihm ein Brillenträger im hellblauen Hemd aufmerksam zu. Sie befinden sich im Freien vor einer Kulisse aus Bäumen und Wiesen.

Sven Gebhardt vom Landschaftspflegeverband hatte die Projektpartner zusammengebracht.

Fotos: Günther Bayerl