Netzausbau mit dem Kabelpflug: Das Verfahren im Praxischeck

Netzplanung Innovation
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Der Netzausbau in Deutschland wird zunehmend mit Erdkabeln umgesetzt – und stellt Bauplanung und Kabeltiefbau vor neue Herausforderungen. Neben der konventionellen Verlegung im offenen Kabelgraben gewinnt dabei ein Verfahren an Bedeutung, das lange eher als Spezialtechnik galt: der Kabelpflug.

Auf ausgewählten Abschnitten, etwa im Projekt A-Nord, setzt Amprion das Großgerät ein, um Erdkabeltrassen schneller, kostengünstiger und mit geringerer Flächeninanspruchnahme zu realisieren. Wie der Kabelpflug funktioniert, welche Voraussetzungen vor Ort erfüllt sein müssen und wo seine technischen Grenzen liegen, erläutert Jörn Koch, Leiter Kabeltiefbau bei Amprion.

Herr Koch, welche Rolle spielt der Kabelpflug inzwischen in Ihrem Werkzeugkasten der Verlegetechniken?

Der Kabelpflug ist für uns inzwischen deutlich mehr als ein Spezialverfahren für Einzelfälle. Die Erfahrungen aus dem Projekt A Nord zeigen, dass wir damit eine sehr leistungsfähige Ergänzung zur klassischen offenen Bauweise haben – insbesondere dort, wo lange Trassenabschnitte in geeigneten Böden zu realisieren sind. Er gehört heute fest zu den Verfahren, die wir bei der Projektplanung mitdenken und in der Detailplanung ernsthaft prüfen. Gleichzeitig bleibt er ein Werkzeug für spezifische Einsatzbedingungen, kein Allheilmittel für jede Situation.

Worin liegen aus Ihrer Sicht die wichtigsten Vorteile des Kabelpflugs gegenüber der konventionellen Verlegung in offener Bauweise – technisch, wirtschaftlich und mit Blick auf Umwelt und Landwirtschaft?

Technisch und wirtschaftlich ist der zentrale Vorteil die Geschwindigkeit: Mit dem Kabelpflug können wir Verlegegeschwindigkeiten erreichen, die mit dem klassischen Kabelgraben in offener Bauweise nicht machbar sind. Das reduziert Bauzeiten und damit auch Baubetriebsrisiken und letztendlich die Kosten für die Verlegung der Kabelschutzrohre. Voraussetzung dafür sind passende Bodenverhältnisse und eine Strecke, die weitgehend frei von anderen Infrastrukturen ist. Mit Blick auf Umwelt und Landwirtschaft ist entscheidend, dass nur ein schmaler Einbaukanal geöffnet und direkt wieder verschlossen wird. Großflächige Bodenabträge, Lagerflächen und lange offene Gräben entfallen weitgehend. Bei landwirtschaftlichen Flächen werden die Bodenschichten weniger beeinträchtigt und sie können schneller wieder bewirtschaftet werden.

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Das Bild zeigt ein Symbol, das aus zwei Stapeln von Münzen besteht, die nebeneinander angeordnet sind. Die Münzen sind durch einfache blaue Linien gezeichnet, die ein minimalistisches und modernes Design darstellen. Der linke Stapel ist etwas höher als der rechte.
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Was bedeutet das für die Menschen vor Ort?

Für Eigentümer und Kommunen ist es ein großer Unterschied, ob über Wochen ein breiter Graben mit umfangreichen Lagerflächen besteht oder ob der Eingriff konzentriert, trassennah und zeitlich begrenzt stattfindet. In den Gesprächen vor Ort nehmen wir wahr, dass die Kombination aus kürzerer Bauzeit und geringerer Flächeninanspruchnahme die Akzeptanz für eine neue Trasse erhöhen kann. Die Voraussetzung hierfür ist jedoch immer, dass die Bausektion sich für den Einsatz des Kabelpflugs eignet.

Wofür eignet sich der Kabelpflug besonders gut, und wo sehen Sie Grenzen des Verfahrens?

Besonders geeignet ist der Kabelpflug in längeren, möglichst geradlinigen Trassenabschnitten mit überwiegend homogenen Böden, die weder zu hart noch zu instabil sind. Die Böden sollten außerdem eine gute Wärmeleitfähigkeit aufweisen und frei von Fremdleitungen oder Hindernissen im Trassenbereich sein. In A Nord haben wir gesehen, dass der Pflug mit vielen typischen landwirtschaftlichen Böden gut zurechtkommt.

Grenzen sehen wir bei stark felsigem Untergrund, sehr steilen Geländesituationen, engen Kurvenradien oder hochverdichteten Bereichen etwa in der Nähe von Verkehrsinfrastruktur. Dort wird der technische Aufwand unverhältnismäßig oder das Verfahren ist schlicht nicht sicher einsetzbar – dann bleiben konventionelle Bauweisen oder andere Spezialverfahren die bessere Wahl.

Wenn der Kabelpflug und andere Spezialverfahren häufiger eingesetzt werden – was heißt das für zukünftige Erdkabelprojekte und die Menschen, die daran arbeiten?

Wir müssen Projekte noch genauer planen: Welche Verlegeart passt wo am besten – offene Bauweise, Pflug oder andere Spezialverfahren? Dafür brauchen wir bessere Informationen über den Boden und eine sehr gute Dokumentation auf der Baustelle. Auch für die Fachleute ändert sich etwas: Planer, Bauüberwacher und Dienstleister müssen verstehen, wie der Pflug arbeitet und welche Anforderungen er an Boden, Trasse und Ablauf stellt. Dieses Wissen wird langfristig in Leitfäden und Regelwerken festgehalten.

Was braucht es aus Ihrer Sicht noch, damit der Kabelpflug künftig noch besser eingesetzt werden kann?

Zum einen müssen die Geräte so weiterentwickelt werden, dass sie mit unterschiedlichen Böden noch besser zurechtkommen und der Einbau der Kabel noch genauer verfolgt und dokumentiert werden kann. Zum anderen geht es um eingespielte Abläufe von der Bodenerkundung über Genehmigungen bis hin zu Verträgen mit spezialisierten Unternehmen. Je besser Technik und Arbeitsprozesse aufeinander abgestimmt sind und je frühzeitiger der Einsatz des Kabelpfluges in der Planung berücksichtigt wird, desto einfacher lässt sich der Kabelpflug in neue Projekte integrieren.

Wenn wir Erdkabel schneller verlegen können und weniger Fläche beanspruchen, verlieren einige bisherige Kritikpunkte an Gewicht.

Jörn Koch

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Leiter Kabeltiefbau bei Amprion

Welche Bedeutung wird der Kabelpflug im Vergleich zu anderen Verlegetechniken im deutschen Netzausbau langfristig haben?

Aus meiner Sicht bleibt er ein wichtiges Verfahren im Portfolio, aber nicht das einzige. Je mehr Erdkabelprojekte wir realisieren, desto stärker werden wir je nach Boden, Umgebung und Projektanforderungen die offene Bauweise, den Pflug, Horizontalbohrungen und weitere Spezialverfahren kombinieren. Die Kunst liegt darin, für jede Trasse die passende Mischung zu finden.

Verändert der Kabelpflug die Diskussion darüber, ob Stromleitungen als Freileitung oder als Erdkabel gebaut werden sollen?

Die grundsätzliche Entscheidung zwischen Freileitung und Erdkabel hängt weiterhin von technischen, regulatorischen und systemischen Faktoren ab; daran ändert der Kabelpflug nichts. Er verändert aber die praktischen Rahmenbedingungen für Erdkabel deutlich: Wenn wir Erdkabel schneller verlegen können und weniger Fläche beanspruchen, verlieren einige bisherige Kritikpunkte an Gewicht. Hinzu kommt, dass der Kabelpflug – insbesondere auf langen, geeigneten Abschnitten – in der Regel kostengünstiger ist als die offene Bauweise, weil aufwendige Wasserhaltungsmaßnahmen und der Einbau von Flüssigboden entfallen. Damit verbessert sich die Wirtschaftlichkeit von Erdkabelprojekten und insgesamt kann das Erdkabel in passenden Situationen zu einer attraktiveren Option werden.