Masterhöhungen und Rheinkreuzung: Baustellen-Update von Ultranet

Netzplanung
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Der Bau von Ultranet, der neuen Gleichstromverbindung zwischen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, schreitet voran – wichtige Meilensteine auf den Baustellen sind inzwischen erreicht. Zum Beispiel, was die Erhöhung einzelner Strommaste betrifft.

Warum sie nötig ist, inwieweit sie den Menschen vor Ort nutzt und wie sie umgesetzt wird – all das erklärt Projektleiter Michael Dörsam exemplarisch für den Bauabschnitt D1 an der 77 Kilometer langen Trasse zwischen Koblenz und Marxheim. Insgesamt wurden 37 Maste erhöht. Und Dörsam geht noch auf eine weitere wichtige Ultranet-Baumaßnahme ein: die Rheinkreuzung.

Ein Symbol eines Strommasts, stilisiert mit blauen Linien, das für Energieübertragung steht.
37
Maste

wurden zwischen Koblenz und Marxheim erhöht.

Abstand zwischen Leitung und Mensch wird größer

Herr Dörsam, warum müssen die Maste überhaupt erhöht werden?

Im Projekt Ultranet werden einzelne bestehende Freileitungsmasten erhöht, weil auf der heutigen Wechselstromleitung künftig sowohl Wechselstrom als auch Gleichstrom übertragen werden. Es handelt sich dann um eine sogenannte Hybridleitung. Wir setzen die sich daraus ergebenden Anforderungen der Bundesimmissionsschutzverordnung um und planen Ultranet so, dass die elektrischen Gleichstrom- und Wechselstromfelder von den Menschen vor Ort nicht als störend wahrgenommen werden.

Gesundheitsrelevante Auswirkungen sind durch die deutliche Unterschreitung der Grenzwerte ohnehin ausgeschlossen. Uns geht es aber darum, auch mögliche Belästigungen zu vermeiden, zum Beispiel, dass man Auswirkungen der elektrischen Felder auf der Haut spürt. Genau dazu dienen die Masterhöhungen: Sie vergrößern schlichtweg den Abstand zwischen Leitung und Mensch.

Hat das noch weitere Vorteile für die Menschen vor Ort?

Im Projekt Ultranet nutzen wir überwiegend bestehende Freileitungstrassen, die bisher nur für den Betrieb mit Wechselstrom-Stromkreisen verwendet wurden. Wenn wir diese bestehenden Leitungen für den zukünftigen Hybridbetrieb anpassen, hat das mehrere Vorteile - vor allem, was die Eingriffe in Landschaft und Natur angeht und auch mit Blick darauf, dass das gewohnte Umfeld für die Anwohner vor Ort nicht zusätzlich beeinträchtigt wird.

Konkret heißt das: Wir brauchen keine neue Freileitungstrasse, nehmen also keine zusätzliche Fläche dauerhaft in Anspruch. Die Bauzeiten sind kürzer, dadurch gibt es weniger Lärm, weniger Baustellenverkehr, weniger temporär in Anspruch genommene Arbeitsflächen und insgesamt weniger Einschränkungen im Alltag für die Menschen vor Ort, als es bei einem kompletten Neubau einer Leitung der Fall wäre.

Diese Vorgehensweise lässt sich aber nicht auf jeden Abschnitt und nicht auf jeden Mast im Projekt Ultranet übertragen. Dort, wo die bestehenden Masten aus statischen oder konstruktiven Gründen für den zukünftigen Hybridbetrieb nicht geeignet sind, werden vereinzelt neue Maste in unmittelbarer Nähe der Altmasten ersatzweise neu gebaut.

Erhöhung mit einem „Zwischenschuss“

Wie läuft die Masterhöhung ab?

Eine Masterhöhung ist immer ein Umbau eines bestehenden Freileitungsmastes. Und da sich die Maste von ihrem Aufbau unterscheiden, kann sich die konkrete Vorgehensweise von Standort zu Standort ebenfalls unterscheiden. Vor jeder Maßnahme steht eine gründliche technische Planung, bei der wir insbesondere die Statik des Bestandsmastes und die Umsetzung der Masterhöhung prüfen und planen.

Im Projekt Ultranet erfolgt die Masterhöhung in der Regel durch das Einsetzen eines sogenannten Zwischenschusses. Nachdem die Arbeitsfläche rund um den Maststandort vorbereitet ist, wird dieses zusätzliche Segment vor Ort vormontiert. Ist der zu erhöhende Mast vorbereitet, hebt ein Autokran das Mast-Oberteil samt der darauf aufliegenden Leiterseile an und ein zweiter Kran setzt den Zwischenschuss ein. Anschließend wird das Mast-Oberteil auf dieses Segment wieder aufgesetzt und alles befestigt. Damit ist die eigentliche Erhöhung abgeschlossen. Wenn alle Arbeiten am Mast fertig sind, werden die temporär eingerichteten Baustraßen und Arbeitsflächen wieder zurückgebaut. Damit die Eingriffe in die Umwelt möglichst gering bleiben, werden die Arbeiten durch eine ökologische Baubegleitung fortlaufend überwacht.

Übernehmen der Leiterseile ist anspruchsvoll

Wie viele Leute arbeiten daran? Und was ist die größte Herausforderung?

Für eine Masterhöhung braucht es ein eingespieltes Team: In unmittelbarer Nähe der Arbeiten sind in der Regel etwa zwölf Monteurinnen und Monteure im Einsatz.

Der kritischste Moment ist der, in dem das Mast-Oberteil angehoben und der Zwischenschuss eingesetzt wird. Hier muss alles passen. Wir haben bis zu vier Kräne vor Ort. Das Zusammenspiel zwischen denjenigen, die sie führen und den Monteurinnen und Monteuren ist wirklich anspruchsvoll.

Abhängig vom Bauablauf und den Witterungsbedingungen dauern die Arbeiten pro zu erhöhenden Mast insgesamt rund zwei Wochen, wobei die eigentliche Masterhöhung innerhalb eines Tages umgesetzt ist. Der Hauptaufwand liegt in der Vor- und Nachbereitung zur Masterhöhung. Die Teams waren aber sehr gut eingespielt. Auch während der Hitzeperiode im Sommer wurden alle Masterhöhungen in meinem Abschnitt planmäßig durchgeführt.

Für eine Masterhöhung braucht es ein eingespieltes Team.

Michael Dörsam

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Projektleiter Freileitungsbau

Was steht für Sie als nächstes an?

Die Arbeiten an der Rheinkreuzung. Zum Hintergrund: Wir nutzen für die Gleichstromverbindung die bestehende Freileitungstrasse, die in Koblenz-Wallersheim, Niederwerth und Urbar den Rhein kreuzt. Die drei bestehenden Freileitungsmaste sind bei einem Ersatzneubau im Jahr 1980 zuletzt saniert worden.
Und weil sie eben den Rhein kreuzen, sind sie überdurchschnittlich hoch. Für den Ultranet-Gleichstrombetrieb ergibt es Sinn, sie durch neue Maste in direkter Umgebung zu ersetzen. Das läuft so: Erst wird der neue Mast gebaut, dann der alte demontiert. Die Leiterseile werden übernommen. Das ist eine mitunter anspruchsvolle Aufgabe, weil die Schwerlastkräne vor Ort wenig Platz zur Verfügung haben.
Die neuen Maste sind in Koblenz und Niederwerth rund 15 Meter niedriger als die alten, in Urbar wird der neue Mast etwa sechs Meter höher.

Was ist hier die besondere Herausforderung?

Die kurze Freischaltzeit der Leitung. Weil die Versorgungssicherheit gewährleistet sein muss, haben wir nur einen Zeitraum von zehn Wochen zur Verfügung.