Abstand zwischen Leitung und Mensch wird größer
Herr Dörsam, warum müssen die Maste überhaupt erhöht werden?
Im Projekt Ultranet werden einzelne bestehende Freileitungsmasten erhöht, weil auf der heutigen Wechselstromleitung künftig sowohl Wechselstrom als auch Gleichstrom übertragen werden. Es handelt sich dann um eine sogenannte Hybridleitung. Wir setzen die sich daraus ergebenden Anforderungen der Bundesimmissionsschutzverordnung um und planen Ultranet so, dass die elektrischen Gleichstrom- und Wechselstromfelder von den Menschen vor Ort nicht als störend wahrgenommen werden.
Gesundheitsrelevante Auswirkungen sind durch die deutliche Unterschreitung der Grenzwerte ohnehin ausgeschlossen. Uns geht es aber darum, auch mögliche Belästigungen zu vermeiden, zum Beispiel, dass man Auswirkungen der elektrischen Felder auf der Haut spürt. Genau dazu dienen die Masterhöhungen: Sie vergrößern schlichtweg den Abstand zwischen Leitung und Mensch.
Hat das noch weitere Vorteile für die Menschen vor Ort?
Im Projekt Ultranet nutzen wir überwiegend bestehende Freileitungstrassen, die bisher nur für den Betrieb mit Wechselstrom-Stromkreisen verwendet wurden. Wenn wir diese bestehenden Leitungen für den zukünftigen Hybridbetrieb anpassen, hat das mehrere Vorteile - vor allem, was die Eingriffe in Landschaft und Natur angeht und auch mit Blick darauf, dass das gewohnte Umfeld für die Anwohner vor Ort nicht zusätzlich beeinträchtigt wird.
Konkret heißt das: Wir brauchen keine neue Freileitungstrasse, nehmen also keine zusätzliche Fläche dauerhaft in Anspruch. Die Bauzeiten sind kürzer, dadurch gibt es weniger Lärm, weniger Baustellenverkehr, weniger temporär in Anspruch genommene Arbeitsflächen und insgesamt weniger Einschränkungen im Alltag für die Menschen vor Ort, als es bei einem kompletten Neubau einer Leitung der Fall wäre.
Diese Vorgehensweise lässt sich aber nicht auf jeden Abschnitt und nicht auf jeden Mast im Projekt Ultranet übertragen. Dort, wo die bestehenden Masten aus statischen oder konstruktiven Gründen für den zukünftigen Hybridbetrieb nicht geeignet sind, werden vereinzelt neue Maste in unmittelbarer Nähe der Altmasten ersatzweise neu gebaut.