Kabelpflug bei A-Nord: „Kombination aus Geschwindigkeit und Bodenschonung“

An 120 Stellen wird die zukünftige Erdkabeltrasse A-Nord derzeit gebaut. Beim Einbau der Kabelschutzrohre kommt auch das Kabelpflugverfahren zum Einsatz. Wir blicken auf die Vorteile der noch relativ neuen Verlegemethode.

Die 300 Kilometer lange Erdkabelverbindung A-Nord soll zukünftig rund zwei Gigawatt Windstrom von Emden nach Meerbusch-Osterath bei Düsseldorf transportieren. Damit leistet das Projekt einen zentralen Beitrag zur Energiewende und zur sicheren Stromversorgung in Deutschland. Beim Bau der Trasse kommt der Kabelpflug als moderne Verlegemethode für die Kabelschutzrohre zum Einsatz.

Geringer Eingriff in die Fläche

Statt wie bei der offenen Bauweise einen breiten Leitungsgraben zu öffnen, pflügt beim Kabelpflugverfahren ein großes Pflugschar nur einen schmalen Schlitz in den Boden. Mike Plickert, Projektleiter Kabelpflug, beschreibt das Vorgehen: „Während die Zugmaschine langsam über die Trasse fährt, gleiten dabei das Kabelschutzrohr und die Trassenwarnbänder in einem Arbeitsgang in den Untergrund. Der Boden schließt sich direkt hinter dem Pflug wieder und wird leicht angedrückt. So bleibt der Eingriff in die Fläche vergleichsweise gering und die Arbeiten können zügig voranschreiten.“

Auf geeigneten Abschnitten lassen sich mit dem Verfahren lange Trassenstücke innerhalb kürzester Zeit herstellen – beim Projekt A-Nord durchschnittlich über 500 Meter mit jeweils sechs Kabelschutzrohrsträngen pro Woche. Daraus ergibt sich ein Vorteil für den Baufortschritt und für die schnelle Wiederherstellung landwirtschaftlich genutzter Flächen. „Der Kabelpflug ist ein weiteres, sehr vorteilhaftes Verfahren, das uns seit kurzem im Bau zur Verfügung steht“, erklärt Simon Jungbluth, Regionalleiter NRW im Projekt A‑Nord. „Die Erdkabel kommen sicher in den Boden, gleichzeitig bleiben die Flächen so weit wie möglich nutzbar und können schnell wieder in die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zurückkehren.“

Um Erfahrungen mit dem modernen Verfahren zu sammeln, wurden zuvor in den Marschböden Niedersachsens umfangreiche Tests durchgeführt. Ein Einfach‑Pflug brachte das Kabelschutzrohr dabei zuverlässig in Tiefen von mindestens anderthalb Metern ein. „Die Tests zeigten: Die Einbettung im gewachsenen Boden verbessert die Umhüllung des späteren Erdkabels und unterstützt die Wärmeabfuhr“, so Plickert.

Bestimmte Gegebenheiten als Voraussetzung

Damit der Kabelpflug angewendet werden kann, müssen Baugrund und Trasse bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Der Untergrund sollte gut pflügbar, tragfähig und frei von größeren Steinen oder anderen Fremdkörpern sein. Gleichzeitig muss er eine gute Wärmeleitfähigkeit besitzen. Der Trassenkorridor muss zudem weitgehend frei von Fremdleitungen und Hindernissen sein, damit das Pflugschar sicher durch den Boden geführt werden kann. Besonders effizient arbeitet der Kabelpflug auf möglichst geradlinigen Strecken von mindestens 200 bis 300 Metern, auf denen die zulässigen Biegeradien der Rohre eingehalten werden können.

„Nicht jeder Meter Trasse eignet sich für den Pflug“, sagt Markus Rützel, Leiter Tiefbau im Projekt A-Nord. „Wo Bodenaufbau, Infrastruktur und Trassenverlauf passen, bietet das Verfahren aber eine sehr attraktive Kombination aus Baugeschwindigkeit und Bodenschonung.“

Ob ein Abschnitt diese Bedingungen erfüllt, zeigt eine vorgelagerte Baugrunduntersuchung. Sie liefert detaillierte Informationen zu Bodenschichtung, Festigkeit, Wasserverhältnissen und Wärmeleitfähigkeit und bildet die Grundlage für die Entscheidung zwischen Pflugverfahren und offener Bauweise. „Fällt das Ergebnis positiv aus und liegt zusätzlich die schriftliche Zustimmung der Eigentümer und Bewirtschafter der betroffenen Flächen vor, kann der Kabelpflug eingesetzt werden“, ergänzt Rützel.

Eine weitere Option für den Bau von A‑Nord

Der Kabelpflug ergänzt die etablierten Bauverfahren im Projekt A‑Nord. Die Kabelschutzrohre werden auf dem größten Teil der Trasse in einer offenen Bauweise verlegt, wenn die Boden- und Grundwasserverhältnisse sowie die landschaftlichen Gegebenheiten es zulassen. An den Stellen, wo der Kabelpflug oder die offene Bauweise nicht möglich sind, werden alternative, geschlossene Bauweisen angewendet, etwa wenn Flüsse oder Straßen gekreuzt werden müssen. Bei der Wahl des Bauverfahrens werden immer auch umweltrechtliche Aspekte berücksichtigt.

Die im Projekt A-Nord gewonnenen Testergebnisse und Praxiserfahrungen fallen so positiv aus, dass der Kabelpflug künftig fester Bestandteil Amprions Werkzeugkastens für den Erdkabelbau ist – nicht nur bei A-Nord, sondern auch für weitere Vorhaben. Neben dem geringen Flächeneingriff und der hohen Verlegegeschwindigkeit zeigt sich ein wesentlicher unternehmerischer Vorteil: Der Einsatz des Kabelpflugs ist im Vergleich zur offenen Bauweise nur etwa halb so teuer. Der Kostenunterschied ergibt sich vor allem daraus, dass beim Pflugverfahren die aufwendige Wasserhaltung und der Einsatz von Flüssigboden weitgehend entfallen. Damit sinken sowohl die direkten Baukosten als auch der Material- und Logistikaufwand. So verbindet der Kabelpflug technische Vorteile wie Bodenschonung und schnelle Verlegung mit einer deutlichen Kostenersparnis – und wird damit zu einer wichtigen Option für den wirtschaftlichen und umweltverträglichen Ausbau weiterer Erdkabelprojekte.