Anwohner informieren sich über Baustelle am Ems-Seitenkanal

In Emden müssen die Erdkabelverbindungen A-Nord, DolWin4 und BorWin4 den Ems-Seitenkanal und eine Bahnstrecke der Deutschen Bahn unterqueren. Bereits zum zweiten Mal fand nun auf der Baustelle ein Infomarkt statt, um die angrenzenden Wohngebiete über die komplexe Baumaßnahme zu informieren.

A-Nord ist eines der zentralen Projekte der Energiewende in Deutschland. Die rund 300 Kilometer lange Erdkabeltrasse soll zukünftig rund zwei Gigawatt Windstrom von der Nordsee bis ins Rheinland bringen. Zwischen Emden und Wietmarschen wird A-Nord auf einer Länge von rund 100 Kilometern mit den beiden Offshore-Leitungen DolWin4 und BorWin4 gebündelt.

Für den Bau der Trasse sind mehrere Fluss- und Kanalquerungen notwendig. Im nördlichsten der insgesamt sechs Teilabschnitte des Projekts müssen die Erdkabel von A-Nord, DolWin4 und BorWin4 unter anderem unter dem Ems-Seitenkanal hindurchgeführt werden. Dafür wurde der Kanal sowie eine angrenzende Bahnstrecke der Deutschen Bahn bei Emden unterbohrt.

„Um die Anwohnerinnen und Anwohner über die Baustelle zu informieren, wurden bereits im Sommer 2025 alle Haushalte rund um die südliche Bohrstelle zu einem Infomarkt eingeladen“, sagt Tanja Groß, Projektsprecherin. „Rund 150 Emder konnten hier bei Getränken und Gegrilltem in den persönlichen Austausch mit den Verantwortlichen von Amprion und den ausführenden Firmen treten.“ Aus dem positiven Feedback von damals folgte nun am 17. September 2026 eine Wiederholung des Infomarkts an derselben Stelle.

Bohrverfahren bereits abgeschlossen

Nach jahrelanger Planungs- und Genehmigungszeit starteten 2024 die ersten Vorbereitungen für die aufwendigen Bohrungen im Osten von Emden. Kurz darauf wurde mit dem flüssigkeitsgestütztem Rohrvortrieb gestartet. Jörg Melzer, verantwortlich für den Tiefbau in Niedersachsen, erklärt das Vorgehen: „Beim flüssigkeitsgestützten Rohrvortrieb wird eine ferngesteuerte Tunnelbohrmaschine unterirdisch vorgetrieben und dabei der Baugrund zeitgleich durch eine Spezialflüssigkeit gestützt. Diese Flüssigkeit nimmt das gelöste Erdreich auf und fördert es direkt über Leitungen an die Oberfläche ab. Im gleichen Zuge werden Vortriebsrohre aus Beton von der Startbaugrube aus Stück für Stück hydraulisch hinter der Maschine hergeschoben.“

Aufgrund der Dauer der Baumaßnahme und der unmittelbaren Nähe zu den anliegenden Wohngebieten wurde Anfang 2025 eine Lärmschutzwand aufgestellt. Mit einer Höhe von über zehn Metern übernahm sie über ein Jahr lang die Aufgabe, den Baulärm für die Nachbarschaft möglichst gering zu halten. Für den Rückbau der darunter liegenden Bodenplatten, die als Baustellenfläche dienten, musste die Lärmschutzwand in diesem Sommer wieder abgebaut werden.

Gut besuchter Infomarkt

Beim diesjährigen Infomarkt auf der Baustelle standen vor allem die jetzt noch anstehenden Maßnahmen im Fokus. „Neben dem derzeitigen Rückbau stehen jetzt noch die Vorbereitungen für den Einzug der Kabel auf der Agenda, die in den kommenden Monaten mithilfe von Schwertransportern angeliefert werden“, so Jörg Melzer.

Rund 110 Anwohnerinnen und Anwohner waren der Einladung gefolgt. „In den persönlichen Gesprächen mit den Anwohnern konnten wir erneut viele offene Fragen klären. Wir sind den Menschen hier sehr dankbar für ihren verständnisvollen Umgang mit der Baustelle“, so Tanja Groß.