Übertragungsnetz, Stromleitungen an einem konventionellen Kraftwerk

Monitoringbericht

Kohleausstieg 2030: Es gibt noch viel zu tun

Ende 2021 hat Amprion in einem Zehn-Punkte-Plan beschrieben, was sich im Energiesystem ändern muss, um einen beschleunigten Kohleausstieg zu ermöglichen. Zwei Jahre später erkennt der Übertragungsnetzbetreiber erste Fortschritte unter anderem bei Genehmigungsverfahren. Das Monitoring zeigt aber auch dringende Handlungsbedarfe.

Erfreulich aus Amprion-Sicht: Der Gesetzgeber hat unter anderem den Rahmen geschaffen, um Genehmigungsverfahren für den Netzausbau zu beschleunigen und Stromleitungen höher auszulasten. Dringende Handlungsbedarfe dagegen sieht der Übertragungsnetzbetreiber insbesondere bei technischen Anschlussregeln und beim Strommarktdesign. Viele andere Maßnahmen des Zehn-Punkte-Plans aus dem Dezember 2021 seien nicht vollständig umgesetzt und benötigten weitere Anstrengungen von Politik und Netzbetreibern, zeigt der Monitoringbericht. „Ein beschleunigter Kohleausstieg stellt das Übertragungsnetz vor immense Herausforderungen“, mahnt Amprion-CTO Dr. Hendrik Neumann. „In Anbetracht dessen reichen die bisherigen Gesetzesanpassungen und die geplanten Maßnahmen bei weitem nicht aus.“

Kohleausstieg 2030: Netzsicherheit wahren

Das Übertragungsnetz transportiert Strom über weite Entfernungen und ist das Rückgrat der Energieversorgung in Deutschland. Amprion und die drei anderen deutschen Übertragungsnetzbetreiber haben die Aufgabe, das Netz stabil und sicher zu halten. Ein schnelles Ende der Kohleverstromung sei nur möglich, wenn netztechnische Belange konsequent mitgedacht würden, so Hendrik Neumann.

Wir müssen dringend zusätzliche Maßnahmen umsetzen, um die Versorgungssicherheit und die Robustheit des Systems zu gewährleisten.
Dr. Hendrik Neumann, Technischer Geschäftsführer bei Amprion

Technische Anschlussregeln weiterentwickeln

Amprion setzt sich daher dafür ein, die  technischen Anschlussregeln (TAR) auf europäischer und nationaler Ebene schnellstmöglich weiterzuentwickeln, um einem beschleunigten Kohleausstieg Rechnung zu tragen. Die TAR beschreiben die technischen Anforderungen für den Anschluss und Betrieb von Anlagen im Stromnetz. Sie regeln beispielsweise das Verhalten im Falle eines Netzfehlers oder sogenannte netzbildende Eigenschaften, um die Frequenz zu stützen. Die TAR gewährleisten unter anderem, dass diese Anlagen so funktionieren, dass das Netz insgesamt stabil arbeitet. Amprion fordert, die TAR von EE-Anlagen weiterzuentwickeln sowie auf neue Anlagen wie Elektrolyseure und Großverbraucher auszuweiten.

Marktliche Anreize für Kraftwerksstandorte

Darüber hinaus drängt Amprion auf eine zeitnahe Reform des Marktdesigns. „Wir begrüßen, dass die Bundesregierung im Rahmen der Kraftwerksstrategie kurzfristig gesicherte Leistung ausschreiben möchte“, sagt CTO Neumann. „Hierbei ist es wichtig, dass bis 2030 ausreichend neue Kraftwerke gebaut werden.“ Er schlägt vor, die Kraftwerksstrategie perspektivisch durch einen umfassenden Kapazitätsmechanismus zu ergänzen, der sämtlichen Marktteilnehmern Investitionssicherheit bietet. Außerdem ist es aus Amprion-Sicht wichtig, marktliche Anreize für die Wahl von Last- und Kraftwerksstandorten zu schaffen. Es würde das gesamte System robuster machen, wenn neue Kraftwerke zu etwa zwei Dritteln im Süden und Südwesten und zu einem Drittel im Norden Deutschlands gebaut werden. „Amprion wird seinen Beitrag zu einem beschleunigten Kohleausstieg leisten“, verspricht Hendrik Neumann, „und sich weiterhin konstruktiv an der Diskussion über die dafür nötigen Maßnahmen beteiligen.“

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