Das Potenzial der Offshore-Windenergie ist gewaltig: Allein in der Nordsee sollen bis 2050 Windparks mit einer Leistung von etwa 200 Gigawatt entstehen. Amprion regt an, für sie ein eigenes Stromnetz zu bauen, das Windstrom großflächig einsammelt und ganz Europa zur Verfügung stellt.

Offshore-Windenergie wird immer wichtiger: Gerade hat die Bundesregierung die Ausbauziele für Windparks in der Nord- und Ostsee auf 40 Gigawatt in 2040 erhöht. Auch in den Nachbarländern laufen die Planungen für neue Windparks und Systeme, die den Windstrom an Land bringen, auf Hochtouren. Allein für die Nordsee sind bis 2050 Windparks mit einer Leistung von etwa 200 Gigawatt identifiziert.

Dr. Hans-Jürgen Brick und Dr. Klaus Kleinekorte

Dr. Klaus Kleinekorte (links) und Dr. Hans-Jürgen Brick

Jeder Windpark trägt dazu bei, den Strommix klimaverträglich zu machen. „Werden diese Anlagen aber bereits auf See miteinander verbunden, kann sich daraus ein europäisches Netz für Offshore-Windstrom entwickeln, das die gemeinsame Nutzung noch bessermacht“, sagt Dr. Hans-Jürgen Brick, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO) von Amprion. Mit „Eurobar“ hat der Übertragungsnetzbetreiber ein Konzept vorgestellt, wie eine solche europäische Vernetzung entwickelt werden kann. Es soll gemeinsam mit anderen Übertragungsnetzbetreibern umgesetzt werden: „Wir als Amprion verstehen uns hier als Impulsgeber“, sagt Dr. Klaus Kleinekorte, Technischer Geschäftsführer (CTO) von Amprion. „Mit Eurobar werden wir die europäische Zusammenarbeit beim Offshore-Ausbau vertiefen.“

Eurobar – ein modulares Offshore-Netz für Europa

Eurobar Konzeptskizze

Konkret schlägt Amprion vor, kommende Generationen von Offshore-Windparks in der Nordsee bereits so zu planen, dass sie wie Perlen auf einer Schnur miteinander verbunden werden können. Experten sprechen von „Offshore-Grid-Ready“. Schrittweise ließen sich die Offshore Anschlussplattformen untereinander verbinden – bis ein System von Frankreich bis nach Skandinavien entsteht. Durch dieses neue Offshore-Netz kann der Windstrom großflächig eingesammelt und flexibel dorthin transportiert werden, wo er benötigt wird. „Eurobar ist modular angelegt“, sagt Dr. Klaus Kleinekorte. „Jeder Partner kann die Anschlüsse selbst planen und bauen sowie über den Zeitpunkt des Anschlusses autonom entscheiden.“ Wichtig sei allerdings, jetzt damit zu beginnen, gemeinsame technische Standards zu entwickeln. Denn die Zeit drängt: Technische Anlagen in der Energiewirtschaft benötigen eine Planungs- und Bauzeit von durchschnittlich zehn Jahren.

RTE: Bedarf an neuen Ideen, um die Offshore-Welt zu erschließen

Auch der französische Übertragungsnetzbetreiber Réseau de Transport d'Electricité (RTE) sieht Handlungsbedarf. „Offshore ist die Zukunft der Elektrifizierung in Europa“, sagt François Brottes, Vorstandsvorsitzender (CEO) des französischen Übertragungsnetzbetreibers. „Wir müssen uns diese neue Welt erschließen, brauchen dafür neue Ideen.“ Sie sollten sich gegenseitig ergänzen. François Brottes spricht sich für Plattformen aus, an die mehrere Offshore-Windparks angeschlossen werden, und ein Netz, das die Windparks miteinander verbindet. Wichtige Voraussetzungen dafür seien unter anderem ein gemeinsamer technischer Standard und industrielle Wertschöpfungsketten für die Infrastruktur in Europa. „Wir müssen diese Wertschöpfungsketten so planen, dass wir die Innovationen selbstbewusst angehen können.“

François Brottes zur Vorstellung von Eurobar, Videobotschaft im Rahmen des Amprion-Jahrespressegesprächs am 24.6.2020

Mitschnitt vom Jahrespressegespräch

Eurobar war eines der Themen beim Jahrespressegespräch der Amprion-Geschäftsführung am 24. Juni 2020 – Aufzeichnung des Live-Streams.

Weitere Informationen zum Thema

Pressemeldung zu Eurobar

Offshore Windpark Schiff

„Wir sind gekommen, um zu bleiben“

Peter Barth und Dr. Carsten Lehmköster zu den Offshore-Aktivitäten von Amprion