Amprion nimmt Sonderanfertigung in Betrieb

Neues Schienenfahrzeug für Trafotransporte

Amprion bringt einen neuen Schwerlastwaggon auf die Schiene: Mit dem hochmodernen Tragschnabelwagen kann das Unternehmen künftig Großgeräte transportieren, die im Zuge der Energiewende bundesweit benötigt werden.

Wenn in einer Umspannanlage ein neuer Transformator oder ein rotierender Phasenschieber in Betrieb genommen werden soll, kann er nicht einfach mit einem Güterzug dort angeliefert werden. Wegen ihres enormen Gewichts und der ausladenden Maße müssen solche Großgeräte als Sonderzüge auf die Schiene gehen. Dafür kann Amprion künftig eine eigene Maßanfertigung nutzen: Der neue Schwerlastwaggon des Übertragungsnetzbetreibers, ein sogenannter Tragschnabelwagen, ist mehr als 50 Meter lang, rund 4,2 Meter hoch und drei Meter breit. Mit bis zu 500 Tonnen kann das 32-achsige Unikat ein Vielfaches seines eigenen Gewichts von 220.000 Kilogramm tragen. „Der Waggon ist als konsequenter Leichtbau entwickelt worden, damit er ein möglichst geringes Eigengewicht hat und dadurch besonders viel tragen kann“, erläutert Amprion-Eisenbahnbetriebsleiter Henrik Kastner. Anfang Oktober hat Amprion die Sonderanfertigung vom Eisenbahnspezialisten Kübler Heavy Rail übernommen, der den Wagen gebaut hat. Die Vormontage fand in Baden-Württemberg statt, die Endmontage in Sachsen und zahlreiche Tests schließlich auf dem Testring in Tschechien. „Wir haben damit jetzt den modernsten Tragschnabelwagen, das Ergebnis höchster Maschinenbaukunst“, so Kastner. „Er ist sehr beweglich und lässt sich sogar von der Schiene auf die Straße umsetzen, was uns zusätzliche Flexibilität bei künftigen Trafotransporten gibt.“

Videoeindrücke von der „Hochzeit“, der Endmontage von Schwerlasteisenbahnlaufwerk und Stahlbau

Trafotransporte sind logistische Meisterleistungen

Jeder einzelne Trafotransport ist eine logistische Großtat, die sorgfältig vorbereitet werden muss. „Bei der Planung orientieren wir uns an den Fahrplänen und Sperrpausen der Deutschen Bahn“, erklärt Henrik Kastner. „Alle Genehmigungen einzuholen und einen minutiösen Fahrplan für einen Transport vorzubereiten, dauert mehrere Monate.“ Um alle erforderlichen Fahrten sicherstellen zu können, betreibt Amprion 60 direkte Gleisanschlüsse zu Umspannanlagen und 70 Umladestellen zur Belieferung der übrigen Stationen selbst. „Insgesamt sind Gleisanlagen mit einer Länge von etwa 100 Kilometern in unserem Eigentum“, so Kastner.

In Zukunft wird die Zahl der Trafotransporte bei Amprion weiter zunehmen. Ein Grund hierfür ist der Wandel der Energielandschaft. „In der Energiewende müssen wir unser Netz so umbauen, dass es die Integration großer Mengen regenerativ erzeugten Stromes möglich macht“, erläutert Hendrik Neumann, Leiter Anlagen und designierter CTO von Amprion.

Die technischen Einrichtungen in den Umspannanlagen tragen künftig maßgeblich dazu bei, das Spannungsniveau stabil zu halten. Auf diese neuen Aufgaben bereitet Amprion einige Umspannanlagen vor. Dafür wird eine Vielzahl zusätzlicher Trafos und Phasenschieber benötigt, die quer durch Deutschland transportiert werden müssen. Mit seinem eigenen Schwerlastwaggon will Amprion schnellere Transportzeiten und die pünktliche Auslieferung am Einsatzort in den Umspannanlagen gewährleisten – im gesamten Netzgebiet, das von Niedersachsen bis zu den Alpen reicht. Im kommenden Jahr wird der neue Tragschnabelwagen noch um einen Werkstatt- und einen Begleiterwagen ergänzt. 40 Jahre lang soll das Schienenfahrzeug im Anschluss seinen Dienst für ein sicheres Übertragungsnetz leisten. Los geht es im Frühjahr 2021: Dann steht voraussichtlich der erste Trafotransport auf dem Fahrplan.

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