Dialogportal Direktzu Amprion

Europa wächst im Energiebereich immer stärker zusammen. Ein Besuch bei den Arbeiten an der Trasse Wesel–Doetinchem, wo Amprion den Bau einer neuen, 57 Kilometer langen Strombrücke zwischen Deutschland und den Niederlanden voranbringt.

Bitte klicken Sie auf einen der Spots, um mehr über die Interkonnektoren von Amprion zu erfahren.

Neuartiges Design: Zwischen der Umspannanlage Millingen und der niederländischen Grenze testet Amprion einen neuen Masttyp.

Die rund 35 Meter lange Röhre hängt senkrecht an einem Baukran. Der Fahrer manövriert sie über kreisförmig angeordnete Ankerbolzen auf einer ­Betonplatte und senkt das Bauteil vorsichtig ab. Es handelt sich dabei um den Schaft eines neuen Masttyps, den Amprion in Isselburg, kurz vor der niederländischen Grenze, errichtet: den Vollwandmast. Fertig montiert, ist er rund 60 Meter hoch und mit drei geschwungenen Traversen versehen. Mit dem Projekt will Amprion technische und wirtschaftliche Erfahrungen im Bau und Betrieb dieser neuen Strommasten sammeln. Zudem hat das Unternehmen testen wollen, ob das neuartige Design für eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung sorgt. „In Vorhaben wie diesem prüfen wir Optionen, um unseren Werkzeugkasten im Leitungsbau zu erweitern. Unser Ziel ist es, für jedes Projekt die technisch optimale Umsetzung zu finden“, sagt Dr. Christoph Gehlen, der bei Amprion den Leitungsbau verantwortet.

Sicherer Halt: 60 Ankerbolzen fixieren den Mastschaft im Betonfundament.

Insgesamt 22 Vollwandmasten kommen auf dem sieben Kilometer langen Abschnitt bis zur Landesgrenze zum Einsatz. Die Masten bilden den optisch passenden Anschluss an das Design der niederländischen „Wintrack“-­Masten. Diese tragen die Leiterseile bis nach Doetinchem in der Provinz ­Gelderland. Mit der grenzüberschreitenden Verbindung wachsen das deutsche und das nieder­ländische Übertragungsnetz noch enger zusammen. Und das bringt viele Vorteile, wie Martin Finkelmann erklärt, der die langfristige Netzplanung bei Amprion leitet: „Je enger man Netze auch überregional verbindet, desto sicherer wird die Stromversorgung.“

»Der Stromexport von Deutschland in die Nachbarländer ist zwischen 2011 und 2017 um fast 90 Prozent gestiegen.«

Martin Finkelmann,

Leiter langfristige Netzplanung bei Amprion

Hoch hinaus: Für die Montage des Mastkopfs geht es in die Luft.

Bereits heute ist das Amprion-Netz mit den Übertragungsnetzen in den Niederlanden, in Luxemburg, in Frankreich, in der Schweiz und in Österreich verbunden. Interkonnektoren nennen Experten diese europäischen Strombrücken. Sie machen die nationalen Netze nicht nur sicherer, sondern bieten zugleich die Plattform für einen europaweiten Strommarkt. „Der Stromexport von Deutschland in die Nachbarländer ist zwischen 2011 und 2017 um fast 90 Prozent gestiegen, während sich die Importe nahezu halbiert haben“, sagt Finkelmann. „Parallel dazu ist der Börsenstrompreis durch den großen Anteil der erneuerbaren Energien in Deutschland um ein Drittel gesunken.“ Attraktive Strompreise fördern den grenzüberschreitenden Handel, und das treibt die Netze an die Belastungsgrenze – Engpässe sind die Folge.

Großbaustelle: Die Einzelteile der Vollwandmasten erreichen Längen von bis zu 35 Metern und Gewichte von über 50 Tonnen.

Die geplante Leitung zwischen Wesel und Doetinchem soll Abhilfe schaffen. Sie erhöht die Transportkapazität zwischen den Netzen in Deutschland und den Niederlanden erheblich. Drei bestehende Interkonnektoren können heute bereits etwa drei Gigawatt übertragen – eine Leistung, die den Bedarf von etwa drei Millionen Menschen deckt. Mit der neuen Leitung steigt die mögliche Austauschleistung noch einmal um voraussichtlich 1,5 Gigawatt. Damit der Strom künftig fließen kann, ist Teamwork gefragt. Amprion baut auf der deutschen Seite rund 30 Kilometer Leitung – auf sieben Kilometern kommen Vollwandmasten, auf der restlichen Strecke Stahlgittermasten zum Einsatz. Für den Bau und Betrieb des benachbarten Teilstückes ist der niederländische Übertragungsnetzbetreiber TenneT zuständig. „In einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie haben wir nachgewiesen, dass sich die Stromflüsse bei vier Interkonnektoren deutlich besser aufteilen. Somit erhöhen wir die Systemsicherheit in beiden Ländern“, erklärt Martin Finkelmann. Die Inbetriebnahme der neuen Strombrücke ist für 2018 geplant – und egal, ob man in Deutschland oder in den Niederlanden fragt, warum sie notwendig ist: Der Begriff „Energiewende“ wird auf beiden Seiten fallen.


Text: Alexandra Brandt | Fotos: Marcus Pietrek

Weitere Stories

Amprion und seine Partner
Mehr Netz, weniger Stress