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Märkte verbinden

Unsere Aufgabe als Übertragungsnetzbetreiber ist es, das Zusammenspiel von Erzeugern, Verbrauchern und Strombörsen zu koordinieren und den gehandelten Strom zuverlässig „auszuliefern“. Insofern ist unser Übertragungsnetz eine Plattform für den Markt beziehungsweise den Stromhandel.

Entwickelt hat sich diese Aufgabe aufgrund der Liberalisierung der Strommärkte in der Europäischen Union seit Ende der 1990er Jahre. Sie hatte das zentrale Ziel, die nationalen Strommärkte schrittweise zu öffnen und einen europäischen Strombinnenmarkt zu schaffen. In diesem europäischen Strombinnenmarkt sollen die Märkte untereinander so eng miteinander verbunden sein, dass der Strom über die Grenzen hinweg (uneingeschränkt) gehandelt werden kann und sich die Preise europaweit angleichen.

Der europäische Stromhandel

Seit den politischen Weichenstellungen Ende der 1990er Jahren wächst der Stromhandel in Deutschland und Europa stetig an – mit der Folge, dass die Netze auf dem Kontinent immer mehr Strom über größere Distanzen transportieren. Damit dies reibungslos funktioniert, leistet Amprion wichtige Beiträge:

  • Wir bauen unsere Netze im Inland sowie zu unseren Nachbarn hin bedarfsgerecht aus, um Engpässe zu vermeiden. Die derzeit bestehenden grenzüberschreitenden Stromverbindungen (Interkonnektoren) begrenzen physikalisch die Menge des Stromes, der zwischen zwei benachbarten Ländern fließen kann. Deshalb gilt es, die begrenzten Kapazitäten so effizient wie möglich zu nutzen und zu bewirtschaften, um ein größtmögliches Handelsvolumen zu gewährleisten.
  • Anhand von Wetterprognosen analysieren unsere Experten im Security Service Centre (SSC) die Stromflüsse und legen die Mengen fest, die jeweils am Folgetag über die Grenzen weitergeleitet werden können.
  • Amprion ist europäischer Vorreiter bei der Engpassbewirtschaftung.

Gemeinsam mit anderen Übertragungsnetzbetreibern und Börsen aus Deutschland, den Benelux-Ländern und Frankreich haben wir ein ausgereifteres Bewirtschaftungsverfahren federführend mitentwickelt: das sogenannte Flow-Based Market Coupling. Mit dem neuen Verfahren werden die Übertragungskapazitäten und Angebote der Stromhändler automatisch abgeglichen. Dabei werden auch wetterabhängige Prognosen zur Einspeisung erneuerbarer Energien berücksichtigt. So können Übertragungskapazitäten flexibler berechnet und vergeben werden – und es gibt deutlich mehr Handelsoptionen, ohne dass der sichere Netzbetrieb leidet. Außerdem lässt sich sicherstellen, dass an den Börsen nur so viel Strom gehandelt wird, wie auch übertragen werden kann.

Market-Coupling-Prozessablauf

Sind die Stromgeschäfte abgeschlossen, koordinieren und prüfen unsere Experten im Frontoffice in Brauweiler die Fahrpläne für den kommenden Tag. Diese legen für jede Viertelstunde fest, wie viel Energie von welchem Kraftwerk eingespeist und von welchen Großkunden – also zum Beispiel von Stadtwerken oder großen Industrieunternehmen – aus dem Übertragungsnetz entnommen wird. Abschließend überprüfen wir, ob die verabredeten Stromtransporte auch tatsächlich zustande gekommen sind.