Vogelschutz an Höchstspannungsleitungen

Netzanlagen und hier vor allem Freileitungen sind für die Vogelwelt gerne angenommene Einrichtungen in ihren Lebensräumen. Fehlen beispielsweise hohe Bäume, so nutzen Vögel die Leitungsmasten als Ansitz oder zum Nestbau. Besonders zur Zugzeit im Frühjahr und im Herbst bilden die Leitungen beliebte Rast- und Sammelpunkte. Freileitungen können aber auch eine Beeinträchtigung für die Vogelwelt darstellen.

Zwar kann eine Beeinträchtigung der Vogelwelt durch Stromschlag bei Höchstspannungsleitungen nicht auftreten, da hier die Abstände zwischen den Phasen und geerdeten Bauteilen so groß sind, dass sie von Vögeln nicht überbrückt werden können. Einige Vogelarten sind jedoch nur schwer in der Lage, horizontal verlaufende, dünne Hindernisse zu erkennen. Zu solchen Hindernissen im Luftraum gehören die Leiterseile der Höchstspannungsleitungen. Hier besteht die Gefahr, dass Vögel der Leitung nicht mehr rechtzeitig ausweichen können und mit dem Leiterseil kollidieren.

Amprion bat daher die Vogelschutzwarten der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Baden-Württemberg, die wissenschaftliche Leitung eines dreijährigen Forschungsprojektes zu übernehmen, um die Thematik umfassend zu erforschen und Lösungen zu erarbeiten.

Das Vorhaben erwies sich als sehr komplex. So mussten die Lebensraumansprüche, das Zug- und Rastverhalten, aber auch verhaltensbiologische Aspekte unterschiedlicher Vogelarten sowie klimatische Randbedingungen berücksichtigt werden. Die Ergebnisse dieser Studie sind in einem Sonderband der ornithologischen Fachzeitschrift 'Vogel und Umwelt' dokumentiert.

Glücklicherweise beschränkt sich das Gefährdungsrisiko auf wenige, kleinräumige Bereiche. Brennpunkte des Vogelzuges und -lebens wie Niederungen, Küstenbereiche oder Gewässer bedürfen der besonderen Beachtung. Hier können kleinräumige und regionale Gefährdungspotenziale durch Markierung des über die Mastspitze verlaufenden Blitzschutzseiles wirksam ausgeräumt werden.

Auf Grund der Ergebnisse des Forschungsprogramms hat Amprion ein umfassendes Vogelschutz-Programm für das gesamte Hochspannungsnetz aufgesetzt. Ornithologen haben im Auftrag des Unternehmens systematisch das Netz untersucht und Leitungsabschnitte identifiziert, in denen Gefährdungspotenziale bestehen. In diesen Bereichen hat Amprion Vogelschutzmarkierungen an den Blitzschutzseilen montiert.

Tests zur Wirksamkeit - durchgeführt vom Naturschutzzentrum Kleve am Niederrhein - ergaben eine sehr hohe Wirksamkeit der Markierungen, so dass Beeinträchtigungen für die Vogelwelt damit nahezu ausgeschlossen werden können. 

 

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