Systemführung

Strom muss im selben Moment erzeugt werden, in dem er verbraucht wird. In den Leitstellen der Übertragungsnetzbetreiber wird dieses Gleichgewicht von Stromerzeugung und Nachfrage permanent geregelt. Die Hauptschaltleitung von Amprion mit dem Namen „Systemführung Netze“ befindet sich in Brauweiler bei Köln. Von hier aus wird das 11.000 Kilometer lange Höchstspannungsnetz überwacht. Darüber hinaus übernimmt die Systemführung Netze im europäischen Netzverbund der UCTE (Union für die Koordinierung des Transportes elektrischer Energie) sowie unter den vier deutschen Regelzonen weitere Koordinierungsfunktionen.

Das Aufgabengebiet der Systemführung lässt sich in drei wesentliche Bereiche gliedern. Erstens ist sie für die Überwachung, Führung und Steuerung des Übertragungsnetzes der Spannungsebenen 380 kV und 220 kV verantwortlich. Die Rückbildprojektion der Netzwarte ist dabei ein wichtiges Werkzeug, da hier die aktuelle Topologie und der Betriebszustand des beobachteten Netzgebietes visualisiert werden. Die in Brauweiler tätigen Ingenieure überwachen die Systemsicherheit, regeln Leistungsaustausch und Frequenz im Netz durch den Einsatz der Regelleistungskraftwerke, sorgen für den optimierten Blindleistungseinsatz zur Spannungshaltung im Netz und sind verantwortlich für den untertägigen Ausgleich der Windenergie. Zudem werden hier die immer häufiger auftretenden Netzengpässe bewirtschaftet und physikalisch gemanagt. Dies gilt rund um die Uhr und jeden Tag im Jahr.

Zweitens koordiniert die Systemführung Netze die geplanten kommerziellen Stromtransporte zwischen den Bilanzkreisen und den Händlern innerhalb der Regelzone Amprion und mit benachbarten Regelzonen jeweils für den Folgetag. Zu jedem Lieferanten muss auch der entsprechende Empfänger vorhanden sein, damit stets "Erzeugung und Verbrauch" im Gleichgewicht sind. Die Systemführung bildet somit die Schnittstelle zwischen dem  liberalisierten Energiemarkt und der physikalischen Erfüllung unter Berücksichtigung der Systemsicherheit. Dadurch ergibt sich zugleich die Aufgabe der Systembilanzierung, die täglich an Hand der Zählerwerte überprüft, ob die geplanten Energietransporte korrekt ausgeführt worden sind.

Der dritte Aufgabenbereich ist die Koordination und die Systembilanzierung des Verbundbetriebs für den nördlichen Teil des europäischen Übertragungsnetzes und umfasst die Länder Belgien, Bulgarien, Deutschland, Niederlande, Österreich, Polen, Rumänien, Slowakei, Tschechien und Ungarn. Die zuvor für Energieübertragungen innerhalb Deutschlands beschriebenen Koordinationsaufgaben werden auch international für die aufgeführten Länder wahrgenommen.