Technik
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Das etwa 11.000 Kilometer lange Übertragungsnetz der Amprion GmbH besteht bis heute aus Freileitungen. Diese seit mehr als 100 Jahren bewährte Technik betreibt Amprion in den Spannungsebenen 220.000- und 380.000-Volt. In den nächsten Jahren wird das Netz allerdings fast vollständig auf 380.000 Volt umgestellt. In die Umstellung und Erweiterung des Netzes investiert das Unternehmen jährlich bis zu 300 Millionen Euro bis 2020.
Auch wenn die Freileitungstechnik sich seit mehr als 100 Jahren bewährt hat, arbeitet Amprion ständig an der Verbesserung der Technik. So hat Amprion zum Beispiel im niedersächsichen Hanekenfähr (Lingen) eine vier Kilometer lange Teststrecke für Leiterseile der neuesten Generation eingerichtet. Zwei neuartige Seiltypen werden dort getestet, die ungefähr die doppelte Übtragungskapazität wie herkömmlichen Leiterseile haben.
Die neuen Leiterseile haben einen Kern aus Karbon- oder Keramikfasern und in der Hülle Drähte aus besonders temperaturbeständigem Aluminium. Die heute gebräuchlichen Seile bestehen dagegen aus gewöhnlichem Aluminium mit einem Stahlkern. Je mehr Strom durch die Leitung fließt, desto stärker erwärmen sich die Leiterseile. Dabei dehnen sie sich aus und hängen dann tiefer durch. Bei 80 Grad Betriebstemperatur ist die Grenze der Belastbarkeit erreicht. Die bei Hanekenfähr getesteten Seile können bis zu 210 Grad heiß werden und dehnen sich dabei deutlich weniger stark. Dadurch lässt sich die Übertragungskapazität auf der Leitung merklich erhöhen.
In Kelsterbach am Frankfurter Flughafen hat Amprion eine gasisolierte Höchstspannungsübertragungsleitung (GIL) gebaut. Die etwa einen Kilometer lange Höchstspannungsfreileitung wurde als gasisolierte Übertragungsleitung in der Erde verlegt. Die GIL-Technik ist eine Weiterentwicklung der Rohrleitertechnik. Eine gasisolierte Höchstspannungsleitung, bestehend aus einem Aluminium-Leiterrohr und einem Aluminium-Mantelrohr, kann Leistungen bis zu 3000 MVA übertragen. Die GIL ist zur Anbindung von Lastzentren und Ballungsgebieten, in der Regel über wenige Kilometer Übertragungslänge, geeignet.
Im Kreis Borken (Nordrhein-Westfalen) plant Amprion den Bau einer ersten Höchstspannungsleitung als Erdkabel mit einer Länge von rund drei Kilometern. Diese in der Nieder- und Mittelspannung bewährte Technik wird auf der Höchstspannungsebene bisher in Europa kaum eingesetzt. Amprion will auf der Pilotstrecke bei Raesfeld Erfahrungen mit dieser Technik sammeln.
