Netzausbau
Die elektrische Energieversorgung in Europa und speziell in Deutschland befindet sich in einem epochalen Wandel. Das hat ökonomische und ökologische Gründe, wie etwa die Etablierung eines liberalisierten Energiemarktes, die Erschließung ressourcenschonender regenerativer Energiequellen oder der beschlossene Kernenergieausstieg.
Unter diesen Rahmenbedingungen und durch die entsprechenden politischen Vorgaben auf europäischer und nationaler Ebene folgen gravierende Änderungen in der Struktur der Stromerzeugung in Deutschland (vgl. Abb. 1):
- Windenergiezuwachs im nördlichen Bundesgebiet und zukünftig auch offshore in Nord- und Ostsee,
- Erzeugungsmangel im Süden durch den Kernenergieausstieg,
- Konzentrierter Zuwachs von Erzeugung aus Kohle und Gas im Norden sowie im Ruhrgebiet und im Raum Köln
Die aus dieser neuen Situation und der Zunahme von Handelstransiten folgenden Leistungsflüsse führen zu einem Aufgabenwandel des Übertragungsnetzes. Der ursprünglicher Nutzen des Übertragungsnetzes lag im Wesentlichen in der Erhöhung der Versorgungssicherheit und der Optimierung vorzuhaltender Reserveleistungen im Verbund der Übertragungsnetzbetreiber. Heute und zukünftig stehen im Fokus des Aufgabenspektrums die Integration volatiler verbrauchsferner Erzeugung aus Windenergie im Norden Deutschlands, die Erweiterung der Marktplattform für einen freizügigen Handel sowie der Anschluss verbrauchsferner konventioneller Erzeugungseinheiten. Will man die hohe Versorgungssicherheit beibehalten, muss das Übertragungsnetz umfangreich ausgebaut werden. Das Netz von Amprion spielt durch seine zentrale Lage in Europa als eine wichtige Drehscheibe für den europäischen Stromhandel zwischen Nord und Süd sowie zwischen Ost und West hierbei eine bedeutende Rolle.

Abb. 1a, b regionale Erzeugungs-/Verbrauchsbilanz in Deutschland a im Jahr 2007, b prognostiziert für das Jahr 2030
Die aktuellen Ausbauprojekte lassen sich zum größten Teil drei Bereichen zuordnen:
- Neubau von internationalen Kuppelleitungen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für den internationalen Strommarkt,
- Netzausbau zur Aufnahme und zum Weitertransport der zunehmenden Erzeugung aus Windenergie im Norden Deutschlands,
- Verstärkung der Nord-Süd-Achse des Netzes wegen der Verlagerung konventioneller Kraftwerkskapazitäten durch konzentrierte Zunahme im Norden und Westen sowie Abnahme überwiegend im Süden Deutschlands
