Das 380/220 kV-Netz der Amprion
Mit einem Höchstspannungsnetz (380 kV und 220 kV) von 11.000 km Länge betreibt Amprion das längste Übertragungsnetz in Deutschland. Dieses Netz reicht von Niedersachsen bis zu den Alpen und transportiert den in den Kraftwerken erzeugten Strom landesweit zu den großen Verbrauchszentren.
Die in den Kraftwerken erzeugte elektrische Energie hat eine Spannung zwischen 6.000 und 21.000 Volt. Dies ist für den direkten Verbrauch an der Steckdose zu hoch, für einen verlustfreien Transport des Stroms jedoch zu niedrig.
Grund für einen gewissen Verlust beim Transport elektrischer Energie ist, dass die Stromleitungen einen elektrischen Widerstand besitzen. Er hängt vom Material, der Länge und der Querschnittsfläche des Leiters ab. Um die Verluste für eine bestimmte Energieübertragung gering zu halten, muss man die Stromstärke reduzieren und die Spannung um den gleichen Faktor anheben. Dies geschieht durch Transformatoren, mit denen die Spannung auf ein Vielfaches des Anfangswertes, meist 380.000 Volt, hochgespannt wird. Die Stromstärke wird dabei auf den entsprechenden Bruchteil reduziert. Die Verluste bei der Energieübertragung verringern sich hierdurch sogar um den quadratischen Faktor.
Als Faustregel gilt, dass elektrische Energie wirtschaftlich optimal über so viele Kilometer transportiert werden kann, wie ihre Nennspannung, gerechnet in Kilovolt (kV), beträgt. So ergibt sich beispielsweise bei einer Nennspannung von 380 Kilovolt eine Entfernung von etwa 380 Kilometern.
Man unterscheidet die Spannungsebenen je nach Höhe der Betriebsspannung:
- Höchstspannungsleitungen mit Betriebsspannungen über 150.000 V
- Hochspannungsleitungen mit Betriebsspannungen über 60.000 V bis 150.000 V
- Mittelspannungsleitungen mit Betriebsspannungen über 1.000 V bis 60.000 V
- Niederspannungsleitungen mit Betriebsspannungen bis 1.000 V
RWE baute bereits 1929 eine Nord-Süd-Leitung, um die RWE-Braunkohlekraftwerke mit den Wasserkraftwerken im Voralberg zu verbinden. Damit war schon frühzeitig im Netz ein Ausgleich von Grundlast- und Spitzenlast-Kraftwerken möglich Die weltweit älteste Hochspannungsleitung verläuft von Bludenz (Schweiz) über Ludwigsburg-Hoheneck, Frankfurt, Koblenz bis nach Brauweiler.
Heute dient das Höchstspannungsnetz von Amprion zur Aufnahme der in Großkraftwerken und Windparks erzeugten elektrischen Energie, ihrem Transport in die regionalen Verbrauchszentren und dem Energieaustausch mit dem europäischen Ausland. Es stellt im Zusammenschluss mit den europäischen Verbundpartnern das Rückgrat unserer Versorgungssicherheit dar und bildet gleichzeitig als Drehscheibe des nationalen und internationalen Stromhandels eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren des Europäischen Strommarktes.
